Rathaus

Auftakt mit Attacke: Todeskino startet in den Wahlkampf

OB-Kandidat Peter Todeskino beim Wahlkampfauftakt der Grünen.

In den letzten Wochen ist es in den Hintergrund gerückt, aber in knapp drei Monaten stehen Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen an. Während Amtsinhaber Markus Lewe derzeit mit Krisenmanagement beschäftigt ist, setzt sein Herausforderer Peter Todeskino von den Grünen erste Duftmarken.

“Wir wollen jetzt loslegen.” Peter Todeskino kann es offenbar nicht abwarten, endlich Wahlkampf zu machen: “Da habe ich Bock drauf.” Am Freitagmittag hat der Grüne zum Pressegespräch in die hiesige Parteizentrale geladen, um seine Kampagne für die anstehenden Wahlen vorzustellen. Deren Kern: “Wir wollen Münster besser machen”, erklärt der 61-Jährige. Die dazugehörige Webseite heißt passenderweise muenster-machen.de, die ersten Plakate sollen zeitnah in den Straßen der Stadt hängen.

Damit hat Todeskino den Sound der kommenden Wahlkampf-Wochen bereits gesetzt. “Gradlinig, konsequent, umsetzungsorientiert” sei er und verweist auf die jahrelange Erfahrung in der Verwaltung – sowohl in Münster als auch in Kiel. Das kann er, umgekehrt mag es manchen daran mangeln. “Wir müssen aus der Konzeptionitis heraus- und ins Machen hineinkommen!” spielt Todeskino auf die kolportierte Verliebtheit in Pläne und Konzepte in der Verwaltungsspitze an.

Sein Angebot an die Wähler enthält hingegen wenige Überraschungen. Beim Thema Verkehr etwa steht die autofreie Innenstadt innerhalb des Promenadenrings auf der Agenda. Ein zweiter Ring für Fahrradfahrer, wie er vor einigen Jahren in der Diskussion war, soll ebenfalls kommen. Bis 2030 möchte der Kandidat Münster komplett auf Ökostrom umgestellt sehen. Dabei helfen könnte neben der Windkraft auch die Solarenergie. Auf den Dächern der Stadt verortet der WBI-Geschäftsführer hierfür noch viel Platz.

Corona ist ein Dämpfer

In Hinblick auf das Thema Wohnen will Todeskino beispielsweise die SoBoMü ausbauen und die Rolle der Wohn+Stadtbau stärken. Andersherum müssten viele städtische Bauprojekte auf den Prüfstand gestellt werden. Das ist in seinen Augen eine Frage der Prioritäten: “Dass wir Kitas und Schulen brauchen, ist doch klar. Aber Musikcampus und Stadion?” Darüber müsse diskutiert werden – auch in Hinblick auf die Kapazitäten in der Verwaltung.

Die klare Kante kommt nicht von ungefähr. Die Situation zum Wahlkampfauftakt hätte einfacher sein können für Todeskino, der – wie er selbst einräumt – noch an seiner Bekanntheit arbeiten muss. Als seine Partei ihn im Januar als Oberbürgermeister-Kandidaten auf den Schild hob, war die Welt noch gefühlt eine andere. Corona war weit, weit weg, die Grünen geradezu betört von den Umfrageergebnissen. Bei der Europawahl im Vorjahr war die Partei gar stärkste Kraft geworden in Münster. Alles schien möglich. Sogar ein grüner Bürgermeister in der Grünen-Hochburg Münster.

“Corona war ein Dämpfer für uns”, räumt der Herausforderer ein. Ganz praktisch in der Wahlkampfvorbereitung, aber auch in den Umfragen. Zumindest im Bundestrend wiedererstarkte die CDU. In Krisen profitiert bekanntlich der Amtsinhaber, solange er sich keine Fehler erlaubt. Das Duell Gerhard Schröder gegen Edmund Stoiber im Jahr 2002 gilt als das Paradebeispiel.

Todeskino lobt Schwarz-Grün

Auch deswegen ist Todeskino gezwungen, in die Offensive zu gehen. “Ich bin nicht in der Lage, mit dem städtischen Presseamt Videoclips zu drehen, die Wahlkampf sind”, sagt er mit Verweis auf eine entsprechende Produktion anlässlich des Gastro-Gipfels. “Ich finde das bedenklich.” Auch der Umstand, dass Lewe und FDP-Kandidat Jörg Berens die Erklärung gegen Rassismus nicht unterschrieben haben, sei “erstaunlich”. “Die Begründungen dafür haben mich nicht überzeugt.”

Einen Widerspruch zwischen Wahlkampf und der gemeinsamen Arbeit in der schwarz-grünen Rathauskoaltion sieht er derweil nicht. “Die CDU geht auch nicht gerade zimperlich mit den Grünen um, das sieht man ja bei Herrn Grau.” Das “schwarz-grüne Experiment” habe an vielen Stellen funktioniert – gleichwohl hat es mitunter vernehmbare Friktionen gegeben. Zu einer Koalitionsaussage nach der Wahl will er sich aber nicht hinreißen lassen. Ein ambitioniertes Ziel hingegen gibt er aus: “Wir wollen stärkste Fraktion werden.” Am liebsten mit einem Oberbürgermeister Todeskino.


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