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Covid-19: Ist Münster bereit für die zweite Welle?

Ist für die Eindämmung von Covid-19 zuständig: das Gesundheitsamt in Münster.

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen befindet sich in Münster auf einem niedrigen Niveau, längst ist das Leben in die Stadt zurückgekehrt. Doch die Ereignisse in den Kreisen Gütersloh und Warendorf zeigen, dass die Gefahr von Ausbrüchen weiterhin besteht. Ist die Stadt darauf vorbereitet? Das Gesundheitsamt erfüllt jedenfalls nicht die personellen Vorgaben für die Nachverfolgung von Infektionsketten.

Genau das ist die Aufgabe der sogenannten Containment-Scouts. Ihnen wird im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie eine zentrale Bedeutung zugeschrieben. Sie sollen die Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten im Bedarfsfall recherchieren und dann in Quarantäne schicken. So sollen sie helfen, Infektionsketten zu unterbrechen und das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Das ist auch in Zeiten niedriger Infektionszahlen wichtig: “Es muss mit einem Anstieg (…) nach Lockerung der Einschränkungen für die Bevölkerung gerechnet werden”, schreibt die Verwaltung in einer Berichtsvorlage für den Sozialausschuss. Aber nicht nur das. Es ist immer wieder damit zu rechnen, dass es zu lokalen Ausbrüchen kommt – sei es nun in Gütersloh oder in Angelmodde. Der Virologe Christian Drosten warnte am Dienstag eindringlich vor einer zweiten Krankheitswelle.

“Das Drama bei unseren Nachbarn zeigt, dass die Pandemie jederzeit auch in Münster wieder gefährlich akut werden kann”, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe laut Pressemitteilung vom Wochenende. Aus dieser geht hervor, dass die Stadt ihre Scouts zur Unterstützung in den Nachbarkreisen angeboten hat.

Münster erfüllt die Vorgaben nicht

Bund und Länder haben verabredet, dass die Landkreise bzw. die kreisfreien Städte Teams von fünf Containment-Scouts pro 20.000 Einwohnern aufbauen sollen. Einzig: Von diesen Vorgaben sind viele Kommunen und Landkreise deutlich entfernt. Eine Umfrage von “WDR” und “NDR” von Mitte Mai bei den Gesundheitsämtern erzielte ein eindeutiges Ergebnis. Von den 54 angefragten Ämtern antworteten 33. Hiervon wiederum erfüllten 21 die Vorgaben nicht.

Das Gesundheitsamt in Münster gehörte zu den Behörden, die die Anfrage unbeantwortet ließen. Auch auf unsere erhielten wir erst mit einer mehrwöchigen Verzögerung eine Antwort. Demnach beschäftigt das Gesundheitsamt derzeit 22 Vollzeitäquivalente zur Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten. “13 externe Containment-Scouts sind in Vollzeit in der Kontaktnachverfolgung eingesetzt. Sie sind über das Bundesverwaltungsamt eingestellt”, erklärte die Pressestelle der Stadt.

Die Vorgaben von Bund und Ländern würden allerdings erfordern, dass die Stadt 80 Vollzeitäquivalente vorhält. Die Kommune sieht hier kein Problem, denn die vorhandenen Kapazitäten würden “derzeit” ausreichen. “Es erfolgen weiterhin durch das Gesundheitsamt intensive Infektionskettennachverfolgungen und konsequente Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen bei den Infizierten und ihren Kontaktpersonen”, hieß es weiter.

Vorbereitungen für zweite Covid-19-Welle

Die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts sehen vor, dass sämtliche Kontaktpersonen ersten Grades – Personen, die mindestens 15 Minuten lang direkten Gesichtskontakt zu einem Corona-Infizierten hatten – getestet werden. Das ist in vielen Gesundheitsämtern in NRW ebenso wie in Münster nicht der Fall. “Es werden nur Kontaktpersonen getestet, wenn sie Symptome einer Covid-19-Erkrankung aufweisen oder es andere epidemiologisch relevante Gründe für eine Testung gibt”, teilte die Stadt mit. Bekanntlich verläuft die Krankheit in vielen Fällen ohne jegliche Symptome.

“Ich denke, dass die jetzige Anzahl der Scouts derzeit ausreichend ist”, findet der Sozialausschuss-Vorsitzende Thomas Kollmann (SPD). “Diese Anzahl lässt sich bei Bedarf immer kurzfristig aufstocken; da ist Flexibilität gefragt, die das Gesundheitsamt nach meinem Kenntnisstand auch gewährleisten kann.” Bei dem Richtwert von 80 Scouts hingegen hätten viele derzeit nichts zu tun.

Unterdessen trifft das Gesundheitsamt Vorbereitungen, eine mögliche zweite Pandemiewelle besser bewältigen zu können und dafür entsprechende strukturelle Veränderungen durchzuführen. So sollen Räumlichkeiten für eine Pandemie-Fachstelle am Dahlweg angemietet werden. Außerdem sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die personellen Kapazitäten bei den Containment-Scouts kurzfristig deutlich erhöhen zu können.


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