Rathaus

AfD-Ratskandidat Leschik: Fragwürdiger Umgang

AfD-Ratskandidat Alexander Leschik beim 1000-Kreuze-Marsch im Jahr 2019.

AfD-Ratskandidat Alexander Leschik beim 1000-Kreuze-Marsch im Jahr 2019.

Alexander Leschik wird nach der Kommunalwahl für die AfD in den Stadtrat einziehen – das ist so gut wie sicher. Doch der Nachwuchspolitiker verfügt über Kontakte, die Fragen aufwerfen.

Der Umgang mit Alexander Leschik ist sehr angenehm. Zumindest am Telefon. Betont höflich, eloquent. Einer, von dem man noch hören wird. Auch über die Grenzen seiner Partei hinaus, wo sein Name bislang nur Beobachtern der Szene ein Begriff sein dürfte. Das könnte sich nach der anstehenden Kommunalwahl ändern. Immerhin ist er auf Platz zwei der AfD-Kandidatenliste für den Urnengang im September aufgeführt. Der Einzug in das Stadtparlament darf also als gesichert betrachtet werden.

Im Gegensatz zu den beiden AfD-Ratsherren Martin Schiller und Richard Mol positioniert sich der 20 Jahre alte Jurastudent als Mann der vergleichsweise gemäßigten Töne. Polarisierung ist nicht sein Ding, Provokation erst recht nicht. So könne er sich die Tolerierung einer Minderheitsregierung aus CDU und FDP im Stadtrat vorstellen, teilte Leschik jüngst auf Twitter mit. Und wegen der “zunehmenden Radikalisierung” trat Leschik mit Anderen von seinem Posten im Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative zurück. Aus seiner Kritik am “Flügel” und dessen Anführer Björn Höcke, auch unter seinem Pseudonym Landolf Ladig bekannt, macht der angehende Jurist keinen Hehl.

Sogar seinen Kreisvorsitzenden Martin Schiller kritisiert er für dessen Äußerungen gegenüber Sharon Fehr, dem ersten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Münster. “Wahrscheinlich genießen Sie den schleichenden Verfall des Landes, welches Sie verachten”, hatte Schiller 2018 via Facebook gepoltert und damit überregional Aufsehen erregt. Ungeachtet davon pflegt Leschik zu dem wegen Körperverletzung verurteilten Schiller, dessen Stellverteter er seit vier Jahren ist, nach eigenem Bekunden ein “freundschaftliches Verhältnis”.

Nur taktisch motiviert?

Mit seiner Jugend und dem moderaten Auftreten sticht Leschik in der Tat hervor in einem Umfeld, in dem alte, weiße Männer dominieren und verbale Ausfälle keinen Seltenheitswert haben. “Alexander Leschick positioniert sich mit seinen Äußerungen, beispielsweise zum ‘Flügel’ der AfD, immer wieder als Vertreter einer vermeintlich gemäßigten Parteiströmung”, heißt es bei der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus (Mobim). “So versucht er sich strategisch für ein koservativ-bürgerliches Spektrum als anschlussfähig zu inszenieren.”

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich bei Leschik in der Tat Widersprüche. In seiner Rede beim diesjährigen Neujahrsempfang der AfD im Rathaus entwarf er die Vision eines AfD-Bundeskanzlers und mahnte: “Mut zur Verantwortung heißt aber auch, dass wir uns nicht der Versuchung zum verbalen Radikalismus hingeben.” Anders klang er auf Twitter: “Die Antifa bleibt eben nichts anderes als eine moderne SA”, schrieb Leschik hier Anfang 2019. Am Telefon versucht der Nachwuchskader die Äußerung zu erklären: “Ich kann die Irritation verstehen. Das war als Verurteilung von Gewalt gedacht.” Die Verbrechen der SA und den Nationalsozialismus wolle er damit keinesfalls relativieren. Heute würde er eine solche Äußerung nicht wiederholen.

Besagter Tweet ist aber nicht der einzige Punkt, der Fragen aufwirft. Bereits im Zuge der Recherche zur Identitären Bewegung in Münster spielte der ehemalige Pflüger-Fux eine Rolle. So existiert ein uns vorliegendes Foto (auf dessen Veröffentlichung wir an dieser Stelle aus urheberrechtlichen Gründen verzichten), das Leschik mit der seinerzeitigen Parteivorsitzenden Frauke Petry und Marcel W. zeigt. Dieser wiederum war zeitweise Chef des hiesigen Ablegers der rechtsextremistischen Organisation, die der Verfassungsschutz beobachtet.

Leschik: “Verständnis für Irritationen”

“Mit Marcel W. bin ich schon seit langem befreundet und kannte ihn noch aus der Zeit, bevor er Sprecher der IB Münster wurde”, schrieb Leschik seinerzeit in einer  Reaktion auf die Berichterstattung. Er selbst habe keinen Kontakt zur Identitären Bewegung. W. sei wegen der “Radikalisierung” der Organisation ausgetreten und erklärterweise “kein Ethnopluralist“. Fraglich ist, wie das zu einer Mitgliedschaft und einer Leitungsposition in der Identitären Bewegung passt, mit deren Frontmann Martin Sellner sich W. mit erkennbarem Stolz hat ablichten lassen. Auch die Posts auf seinem Facebook-Profil lassen andere Rückschlüsse zu.

Das sah auch die AfD so: Sie verweigerte W. angesichts seines Hintergrundes die Aufnahme – trotz Leschiks Fürsprache, wie dieser sagte. “Ich kann nachvollziehen, dass das zu Irritation führt von außen.” Aber seine Freunde suche er sich nicht nach politischer Gesinnung aus. Er habe auch linke Freunde, so Leschik, der außerdem für den AfD-Bundestagsabgeordneten Uwe Witt arbeitet.

In der Öffentlichkeit zeigt sich der Nachwuchspolitiker allerdings weniger mit Menschen aus dem linken Spektrum. Auf einem anderen Foto ist Leschik mit Robert M. beim 1000-Kreuze-Marsch zu sehen. Der war zumindest zeitweise Aktivist bei der Identitären Bewegung. Seine Teilnahme an Neonazi-Aufmärschen ist ebenfalls belegt. Von M.s Hintergrund, so Leschik, habe er erst durch die Lektüre des entsprechenden Artikels der Wiedertäufer erfahren. In Folge dessen Veröffentlichung musste M. das Haus der Burschenschaft Franconia verlassen. “Zu ihm existiert kein Verhältnis”, betreuert Leschik. Er habe zwei- oder dreimal mit M. gesprochen. Und: “Ich distanziere mich von rechtsextremen Positionen in aller Form.”

Alexander Leschik (ganz links) und Robert M. (2. v. l.) beim 1000-Kreuze-Marsch im Jahr 2018
Alexander Leschik (ganz links) und Robert M. (2. v. l.) beim 1000-Kreuze-Marsch im Jahr 2018

Marsch mit Abtreibungsgegnern

Zum 1000-Kreuze-Marsch, einem jährlichen Aufmarsch von Abtreibungsgegnern in Münster, hat Leschik ebenfalls eine eigene Sichtweise. “Das ist als Gebetszug zu verstehen für das abgetriebene Leben”, sagt der nach eigenem Bekunden “konservative Katholik”. Damit sei keine politische Forderung verbunden gewesen. Er unterstütze die aktuelle Gesetzgebung zum Thema Abtreibung. Trotzdem nimmt er an einem Marsch teil, bei dem nach seiner eigenen Aussage eine Mehrheit gegen Schwangerschaftsabbrüche ist.

Nach Ansicht des Keinen-Meter-Bündnisses hat dieser Widerspruch Methode: “Egal wie gerne sich die AfD Münster selbst als ‘bürgerlich’ und ‘konservativ’ bezeichnet – ihre Taten und ihr Umgang sprechen eine deutliche Sprache”, erklärt Sprecherin Liza Boysen. “Hier wollen keine ‘Konservativen’ in den Stadtrat einziehen, sondern extrem rechte Politiker*innen.”


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  1. Was für eine Argumentationskette: Er ist hier mit jemandem auf einem Foto, er ist dort mit jemandem auf einem Foto. Er ist mit jemandem befreundet, der mit jemand anderes auf einem Foto ist. Vertreten Sie solche Kontaktschuldthesen eigentlich auch bei Vertretern linker Parteien? Dort könnte man auch mal herumschnüffeln und die Verbindungen zu Antifa und Autonomer Szene aufdecken. Da war sicher auch der eine mal auf einem Foto mit jemandem oder kennt jemanden der…
    Und am Ende muss ein Marsch gegen Abtreibungen als Beleg herhalten. Ganz ehrlich, wenn sie schon jemanden wie Leschik für “extrem rechts” halten, dann kann man wohl nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner komme. Wollen Sie uns alle als Gedankenverbrecher einsperren?

  2. Man schaue sich nur seine Freundesliste auf FB an. Neben ‘Adolf Neu’ auch Poggenburg und natürlich Stefan Leschniok von der CDU Ratsfraktion. Der Typ ist einfach, wie die gesamte Partei, #ekelhAfD.

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