Klartext

Zunehmende Corona-Infektionen: Der Wochenmarkt ist nicht unser Problem

Corona? War da was? Die Ludgeristraße am Samstagmittag.

Corona? War da was? Die Ludgeristraße am Samstagmittag.

Der Wochenmarkt ist wieder vollständig auf den Domplatz zurückgekehrt – und das in einer Zeit ansteigender Corona-Infektionen in Münster. Die Entscheidung der Stadt sorgte in der vergangenen Woche für Kritik. Die Probleme aber liegen woanders, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Neuerdings ist auch in Münsters guter Stube ein Stückchen “verantwortungsvoller Normalität” eingekehrt. Die zwischenzeitlich umgesiedelten Marktstände sind am Samstag vom Prinzipalmarkt in Richtung alte Heimat Domplatz verschwunden. Busse fahren wieder, alles wirkt ein wenig wie die Welt vor Mitte März, wenn man einmal von den Menschen mit Mund-Nase-Schutz absieht.

Der oberflächliche Eindruck der Normalität aber täuscht. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall. Zwar haben wir mit den einschneidenden Corona-Schutzmaßnahmen im Frühjahr das Infektionsgeschehen erfolgreich eingedämmt. Seit dem Sommer verzeichnen die Behörden wieder eine Zunahme der neuen Covid-19-Patienten. Erst langsam, zuletzt aber mit einem deutlich zunehmenden Tempo. Unsere Nachbarn sind uns noch etwas voraus, Frankreich setzt mit 27.000 Neuinfektionen an einem Tag einen traurigen Maßstab.

Aber auch bei uns, in Deutschland und in Münster, in der näheren Umgebung kennen die Infektionszahlen seit einiger Zeit nur eine Richtung: nach oben. Gerade erst erklärten die Behörden den Kreis Recklinghausen zum Risikogebiet. Am Sonntagmorgen hat die Bezirksregierung einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in unserer Stadt auf 32 verkündet. Wir laufen uns allmählich warm.

Proaktiv gegen Corona

Die Frage, ob Lockerungen wie beim Wochenmarkt oder der neue Pop-up-Freizeitpark auf dem Schlossplatz angesichts der aktuellen Lage sinnvoll sind, ist durchaus berechtigt. Diese Veranstaltungen allerdings finden in einem überwachten Rahmen im Freien statt. Es gilt die Maskenpflicht. Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer sagte der “Münsterschen Zeitung”, dass die vergangenen Monate gezeigt hätten, dass bei solchen Veranstaltungen das Infektionsrisiko gering sei. Wenn alle Masken tragen, ist die Situation in der Regel kontrollierbar. Eine Ansteckung beispielsweise aus einem Supermarkt ist bislang nicht bekannt.

Das Problem liegt viel mehr an anderer Stelle – und ist zugleich wesentlich diffuser. Die Schlagworte hier: Schulen, Reiserückkehrer, private Feiern – hier reagierte Die Landesregierung am Sonntagnachmittag. Superspreading-Events sind derweil die Ausnahme in Münster. Die Pressestelle der Stadt verwies in ihren täglichen Corona-Briefings wiederholt auf die steigenden Infektionen bei den Jahrgängen aus den 90er-Jahren. 838 Menschen befanden sich am Freitag in Quarantäne, unter ihnen Reiserückkehrer und Kontaktpersonen ersten Grades.

In der gegenwärtigen Situation sollte die Stadt über proaktive Maßnahmen nachdenken. Wir sollten jetzt handeln und uns in der Diskussion weniger am Wochenmarkt abarbeiten, sondern uns beispielsweise über die Fußgängerzonen am Samstagmittag unterhalten. Da trägt im Gegensatz zum Markt nur eine Minderheit Mund-Nasen-Schutz und die Sicherheitsabstände können kaum eingehalten werden. Das wäre eine erste Maßnahme, die diskutiert werden sollte. Oder wir warten einfach das Erreichen der 50er-Marke ab, dann kommt die Maskenpflicht auch in der Innenstadt.

Update:

Nach Angaben der Stadt vom Montag gelten aktuell 142 Menschen als infiziert. Die Neuinfektionen verteilen sich auf Samstag 25, Sonntag 17 und heute 12.
Dieser “erhebliche Anstieg” an diesem Wochenende ist ganz überwiegend im familiären bzw. privaten Umfeld der Menschen verortet. In der Hauptsache sind 80er und 90er Jahrgänge betroffen, allerdings haben sich auch einige Personen älterer Jahrgänge infiziert. Ein konzentriertes Ausbruchsgeschehen ist nicht zu verzeichnen; die Infektionen sind über das Stadtgebiet verteilt.


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