Redaktionsblog

Wiedertäufer-Update: Diese Geschichten landeten im Papierkorb

Die Wiedertäufer müssen manche Geschichte schweren Herzens in den Papierkorb schmeißen. (Symbolbild)

Papierknäuel in einem Mülleimer (Symbolbild/Foto: Steve Johnson/Unsplash)

Nein, es gibt keinen Jahresrückblick oder eine Übersicht der tollsten Geschichten aus 2018. Wir haben eine Wiedertäufer-Fucked-up-Liste erstellt mit Stories, die es nicht auf die Seite, sondern nur in den virtuellen Papierkorb geschafft haben – aus ganz unterschiedlichen Gründen. 

Journalistische Arbeit hat gelegentlich etwas Tragisches. Man steckt mitunter viel Arbeit in eine Geschichte, um irgendwann herauszufinden, dass sie gar nicht funktioniert. Manch wer mag dann geneigt sein, sie so zu drehen, dass sie passt – das Ergebnis sieht man derzeit beim “Spiegel”. Den vielerorts vorhandenen Zwang “zu liefern” gibt es bei den Wiedertäufern nicht und es kommt durchaus vor, dass Recherchen in einer Sackgasse enden. Dann werden sie eben nicht veröffentlicht, denn es gibt Kriterien dafür, ob eine Geschichte passt oder nicht. Nachfolgend drei Beispiele aus 2018:

Alles sauber beim Coconut Beach?

Seit dem vergangenen Mai hat der Coconut Beach ein neues Zuhause: Nachdem am Stadthafen I bekanntermaßen kein Platz mehr ist und die neue Location am Hafengrenzweg noch nicht steht, musste eine Zwischenlösung her. Die fand man am Stadthafen II, wo die Betreiber nach einem nicht ganz reibungslosen Start nicht nur eine reine Open-Air-Location für laue Sommernächte haben, sondern mit dem Beach House auch über eine bauliche Lösung verfügen.

Das rief die Ratspolitiker der SPD auf den Plan. Sie wollten in einer Anfrage wissen, warum die politischen Gremien nicht mit dem Vorgang befasst wurden. Hierauf entgegnete die Verwaltung in ihrer Antwort, die allen Ratsfraktionen und uns vorliegt, dass die Gremien aus arbeitsökonomischen Gründen erst ab einem Volumen von 200.000 Euro mit solchen Geschäften befasst würden.

Gleichwohl legte das Amt für Immobilienmanagement den Vorgang über die Abstimmung zwischen den involvierten Ämtern hinaus dem Verwaltungsvorstand vor. Dieser beschäftigte sich in zwei Sitzungen mit dem Thema. Hierbei ging es auch darum, dass keine Ausschreibung erfolgt ist – was unüblich, aber möglich ist. “Es besteht Einigkeit, dass aufgrund der Besonderheit (temporäre Nutzung) eine interimsweise direkte Flächenvergabe vorgenommen werden soll”, heißt es unter Bezugnahme auf das Sitzungsprotokoll in der Antwort auf die genannte Anfrage. Das Amt für Immobilienmanagement werde den Vertrag für die Nutzung zum 31.03.2021 kündigen, hieß es weiter.

Vorsitzender des Verwaltungsvorstandes ist übrigens Oberbürgermeister Markus Lewe. Der speiste Anfang Juli 2017 mit dem damals in Münster weilenden NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet und Entourage im Heaven.

In diesem Fall haben wir uns letztlich gegen eine Berichterstattung bzw. die weitere Verfolgung des Themas entschieden. Ein Planungsexperte hat den Vorgang für uns geprüft. Ergebnis: Der rauchende Colt fehlt.

Stockt Lidl auf?

Wohnraum ist in Münster knapp und teuer – das ist hinlänglich bekannt. Da ließ die Nachricht aufhorchen, dass Discounter wie Lidl und Aldi planen, auf ihre häufig einstöckigen Filialen ein paar Stockwerke aufzupflanzen. Während letztgenanntes Unternehmen auf Anfrage erklärte, keine entsprechenden Planungen in Münster zu verfolgen, war der Wettbewerber weniger eindeutig: “Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben zu unseren Plänen in Münster machen können.”

Ein Dementi klingt anders, aber für eine Geschichte reicht das noch nicht. Die Stadt wollte sich auf Anfrage mit (dem berechtigten) Verweis auf den Datenschutz nicht äußern.

Der WDR war schneller

Die Wiedertäufer wollen ihren Lesern einen inhaltlichen Mehrwert bieten. Das heißt auch, dass wir Geschichten als erste bringen oder sie aus einer neuen Perspektive erzählen. Bei dem Missbrauchsskandal der Katholischen Kirche hatten wir folgenden Fall: Nachdem eine Studie zum Thema präsentiert worden war, passierte auf der juristischen Ebene zunächst einmal nichts. Eine Gruppierung von Rechtsgelehrten aber wollte dies nicht hinnehmen und reichte Strafanzeige ein bei den Staatsanwaltschaften, die jeweils für die 26 deutschen Bistümer zuständig sind. Über den Vorgang berichtete “Der Spiegel” am 26. Oktober zunächst exklusiv.

Eine gängige Herangehensweise der Wiedertäufer besteht darin, überregionale Vorgänge auf Münster herunterzubrechen. Da in unserer Stadt ein Bistum seinen Sitz hat, haben wir zunächst bei der Staatsanwaltschaft und dann am 29. Oktober auch beim Bistum nachgefragt. Am 07. November kam folgende Antwort in Verbindung mit einem Gesprächhsangebot: “Wenn das Bistum Münster Kenntnis erlangt von Beschuldigten, die noch zur Rechenschaft gezogen werden können, werden die Sachverhalte der Staatsanwaltschaft gemeldet.”

Der letztlich mit dem stellvertretenden Generalvikar avisierte Gesprächstermin wurde für den 13. November terminiert. Einen Tag zuvor brachte der “WDR” eine Geschichte über die Vorgänge in der “Lokalzeit” – zusammen mit einem Kooperationsangebot des Bistums. Damit hatte sich das Thema dann für uns erledigt und die fast fertige Geschichte landete, genau, im Papierkorb.


Vergiss’ Facebook! Wir informieren Dich mit unserem Nachrichtendienst immer, wenn ein neuer Artikel online geht. Hier abonnieren:

Unser Newsletter enthält Informationen zu unseren journalistischen Produkten. Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung, erhaltet ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.