Münster

Wehrmachts-Spruch: Burschenschaft Franconia fällt wieder negativ auf

Das Verbindungshaus der Burschenschaft Franconia an der Himmelreichallee.

Das Verbindungshaus der Burschenschaft Franconia an der Himmelreichallee.

Die Burschenschaft Franconia hat in der Vergangenheit bereits mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt. Jetzt sorgt sie mit einer Instagram-Story mit problematischem Inhalt für Aufsehen. Das Rektorat der Universität prüft den Vorgang bereits.

“Klagt nicht, kämpft!”: Mit diesem Spruch ist eine Fahne bedruckt, die sich auf einer jüngst veröffentlichten Instagram-Story der Burschenschaft Franconia befindet. Da Instagram-Stories nach 24 Stunden automatisch verschwinden, ist sie nicht mehr auffindbar – ein Screenshot liegt uns jedoch vor. Der “Arbeitskreis Verbindungswesen” hatte zuvor auf den Post aufmerksam gemacht.

Kampfspruch mit bedenklicher Tradition

Der besagte Spruch ist bereits seit den 90er-Jahren in der Neonazi-Szene verbreitet. So werden immer noch in rechtsextremen Online-Shops Fahnen, Schlüsselanhänger und weiteres Merchandise mit diesem Spruch vertrieben. In Frankfurt an der Oder hat ein AfD-Politiker und Bundespolizist ein Disziplinarverfahren erhalten, nachdem er ein ähnliches Foto auf seiner Facebook-Seite geteilt hatte.

Der Spruch selbst – davon gehen Historiker*innen zumindest zum aktuellen Zeitpunkt von aus – stammt ursprünglich aus der Wehrmacht und ist wohl auf die Fallschirmspringer zurückzuführen.

“Der Spruch ‘Klagt nicht, kämpft’ ist zwar nicht verboten, lässt aber klare Bezüge zur Wehrmacht erkennen”, erklärt der Arbeitskreis Verbindungswesen. “Damit springt die Franconia auf eine Verherrlichung der Wehrmacht mit auf, das sich nicht selten bemüht, diese als ‘sauber’ darzustellen und von den nationalsozialistischen Verbrechen freizusprechen.”

Nicht der erste Franconia-Vorfall

Auf Anfrage erklärt die Burschenschaft, der Spruch sei allgemein zu verstehen und gelte “für alle Lebenslagen”. Weiter: “Wer etwas verändern will, muß (sic) sich dafür engagieren”, teilen die Burschenschafter schriftlich mit. Beispielsweise bei der Sorge um soziale Ungerechtigkeit dürfe man “sich nicht nur beschweren, sondern muß (sic) aktiv für den Wandel eintreten.”

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die Franconia mit ihrem Verhalten negativ auffällt. Schon vor zwei Jahren haben wir über das damalige Mitglied Robert M. berichtet, der über einen eindeutig rechtsextremen Hintergrund verfügt. Das Verbindungshaus an der Himmelreichallee war in mindestens einem Fall Treffpunkt von Mitgliedern der sogenannten “Neuen Rechten”.

In der Folge forderte das Studierendenparlament einen Ausschluss der Burschenschaft aus dem Matrikel. Das Rektorat entschied sich damals nach einer Prüfung dagegen.

Druck auf die Uni

Zum aktuellen Fall habe die Universität, die 2018 noch von einem “ungestörten Verhältnis” zur Burschenschaft gesprochen hatte, die Instagram-Story zur Kenntnis genommen und prüfe den Sachverhalt derzeit, teilt sie in einem Tweet mit. Der Arbeitskreis Verbindungswesen hatte unterdessen verschiedene Hochschulgruppen kontaktiert, um mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AstA) eine gemeinsame Stellungnahme zu veröffentlichen. Hierin fordern sie “eine öffentliche Auseinandersetzung und den konsequenten Ausschluss von rechten Burschenschaften, die im Schutze universitärer und akademischer Strukturen ihre Ideologien verbreiten können.”

“Das letzte Rechtsgutachten, das die Uni in Auftrag gegeben hat, hat ja leider extrem rechte Tendenzen verneint, allerdings lassen sich diese bei einem solchen Instagram-Bild nur schwerlich verneinen”, teilt der Arbeitskreis mit. Das könne die Uni unter erheblichen Druck setzen.


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