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Preußenstadion: Auf einmal geht es doch mit der WBI

Die WBI soll das Preußenstadion bauen und betreiben. (Foto: Archiv)

Die WBI soll das Preußenstadion neu bauen und betreiben. (Foto: Archiv)

Am 10. Februar entscheidet der Rat über den Fortgang beim Thema Preußenstadion. So soll die städtische WBI die Arena bauen und betreiben. Das Problem: Angeblich kann sie das gar nicht.

Am Samstag war es wieder soweit. Die “Münstersche Zeitung” hyperventilierte, weil die Westfälische Bauindustrie (WBI) das neue Preußenstadion bauen und betreiben soll. Das vermeintliche Problem: Ex-OB-Kandidat Peter Todeskino ist nicht nur Geschäftsführer der hochprofitablen, städtischen Tochtergesellschaft, sondern auch Parteigänger der Grünen. Und die mögen das Projekt vielleicht nicht ganz so innig lieben wie die autofreie Innenstadt, haben sich gleichwohl dazu explizit bekannt. “Diese Kombination dürfte für Diskussionen sorgen”, urteilte der Autor dennoch.

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema. Die Stadt will das Preußenstadion bekanntermaßen in großen Teilen neu bauen. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wer den Bau und wer den Betrieb der Spielstätte übernimmt. In einer Vorlage, die in der letzten Ratssitzung im Dezember diskutiert und entgegen des Drängens der CDU nicht beschlossen wurde, schlug die Stadt die Gründung einer eigenen Stadiongesellschaft vor.

Wer baut nun das Preußenstadion?

Die Verwaltung führte seinerzeit folgende Begründung für diesen Weg an:

  • “Der Stadionbau ist ein Sonderbauprojekt, das spezifisches Fachwissen erfordert. Dieses steht weder in der Verwaltung noch in den städtischen Gesellschaften im erforderlichen Umfang zur Verfügung.”
  • “Auch die bestehenden städtischen Gesellschaften sind durch zahlreiche Projektentwicklungen soweit ausgelastet, dass keine Kapazitäten für ein solches Großprojekt vorhanden sind.”
  • “Auch die WBI ist jedoch bereits mit verschiedenen Projektaufgaben betraut, wie z.B. der Errichtung der Zentralen Unterbringungseinrichtung, der Entwicklung der Sportanlage Wienburgpark, der Sanierung des Aegidiimarkts, der Übernahme von Kita-Projekten auf den Konversionsflächen etc.”

Ganz unumstritten war der Vorschlag, der eine Vielzahl weiterer Aspekte behandelte, nicht. “Es ist ja nicht so, dass da nur kleinere Unklarheiten sind”, erklärte seinerzeit Philipp Hagemann, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, mit Verweis auf die angedachte Kita und eben die Stadiongesellschaft. Grünen-Fraktionschef Christoph Kattentidt schloss sich ihm an und betonte: “Wir wollen eine sachlich fundierte Entscheidung treffen.” Beide unterstrichen zugleich die Unterstützung für das Projekt. Linkspartei-Fraktionschef Ulrich Thoden sprach sich gegen die “Teilprivatisierung” über eine Stadiongesellschaft aus.

Plötzlich kein Problem mehr

In der neuen Version der von Stadtdirektor Thomas Paal gezeichneten Vorlage, über die der Rat am 10. Februar abstimmen soll, klingt nun alles etwas anders:

  • “Wie in der zugrundeliegenden Vorlage erläutert wurde, haben die Verwaltung und die bestehenden Gesellschaften keine Kapazitäten und kein spezifisches Know-how für den Ausbau des Stadions zu einer zweitligatauglichen Spielstätte. Dies trifft auch auf eine neue Stadiongesellschaft zu, sodass diese Kapazitäten in jedem Fall aufgebaut werden müssen. Bei der Nutzung einer bestehenden Gesellschaft kann jedoch der Aufbau der originären Gesellschaftsstrukturen eingespart werden.”
  • “Für die Entwicklung der Mobilitätsstation für das Stadion wäre sie (die WBI/Anm. d. Verf.) jedoch ohnehin diejenige städtische Gesellschaft, der solch eine Aufgabe zukommt. Die Planung der Mobilitätsstation ist jedoch stark von der Planung des Stadions abhängig, da die Planung der Mobilitätsstation das Verkehrskonzept für das Stadion berücksichtigen muss.”
  • “Die WBI hat in Gesprächen mit der Verwaltung signalisiert, dass sie nicht nur die Projektaufgabe der Mobilitätsstation, sondern auch den Stadionausbau übernehmen und die erforderlichen Projektstrukturen aufbauen würde.”

Also alles kein Problem mit der WBI? Zumindest nicht für das Unternehmen und dessen Geschäftsführer Peter Todeskino, hat es den Anschein. Ganz anders also, als es sich die “MZ” und ihre Stichwortgeber in Hinbick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen von Grünen, SPD und Volt vielleicht wünschen?

Doch, doch, Diskussionen wären sehr wohl angebracht. Beispielsweise darüber, wie es sein kann, dass ein Sachverhalt in zwei Versionen einer Vorlage zum gleichen Thema vollkommen anders dargestellt wird.


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