Münster

Münster geht aus – trotz Covid-19

Die Münsteraner zieht es trotz Covid-19 wieder ins Freie. Dieses Foto stammt aus der letzten Woche.

Die Münsteraner zieht es trotz Covid-19 wieder ins Freie. Dieses Foto stammt aus der letzten Woche.

Aasee, Kanal, Promenade: Viele Menschen wollten das Kaiserwetter zu Ostern im Freien auskosten – trotz der Covid-19. Zugleich nähren die Auswertungen von Handydaten die Befürchtungen, dass die Disziplin im Umgang mit der Pandemie nachlassen könnte.

Zuletzt hat es vor allem gute Nachrichten gegeben, wenn es um das Thema Covid-19 ging. Die von staatlicher Seite eingeleiteten, tiefgreifenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie scheinen Früchte zu tragen, sogar eine Lockerung ist in der Diskussion. Das spiegelt sich auch auf lokaler Ebene wider. Am Ostermontag meldete die Stadt noch 197 Infizierte. Die Kurve flacht in Münster sichtbar ab.

Das hat auch damit zu tun, dass die Bevölkerung die verordneten Regelungen befolgt. Der Verkehr – sowohl motorisiert als auch mit dem Fahrrad – in Münster beispielsweise ist deutlich zurückgegangen (wir berichteten). “Die inzwischen deutlich sichtbare Wirksamkeit der restriktiven Maßnahmen überzeugt die Menschen, das Richtige zu tun”, erklärte Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer laut Pressemitteilung der Stadt.

Es gibt jedoch erste Anzeichen, denen trotz all’ des Lobes frühzeitig Beachtung geschenkt werden sollte. Eine Auswertung der Handy-Bewegungsprofile zeigt, dass die Mobilität der Bevölkerung vor vier Wochen mit Einführung der Maßnahmen um rund 40 Prozent zurückging. Seit Ende März aber ist dieser Trend rückläufig. Dies zeigen Daten des Unternehmen Teralytics, das die Handy-Bewegungsprofile anonymisiert auswertet. Der “Spiegel” hatte zuerst darüber berichtet, wir haben die Daten für Münster aufbereitet (siehe Grafik).

Mit dieser Entwicklung liegt Münster im bundesweiten Trend. Dass die Menschen wieder vor die Tür gehen, gerade an den Feiertagen, gerade bei gutem Wetter, muss nicht zwangsläufig ein Problem sein. In den Parks, auf Grünflächen, am Dortmund-Ems-Kanal und anderen beliebten Ausflugszielen blieb die Lage in Münster weitgehend ruhig, berichtete die Stadt. Allein Ostersonntag sei eine vierstellige Zahl an Menschen zum Aasee geströmt – ohne besondere Vorkommnisse, zumindest keine bislang messbaren.

Aber war da nicht etwas? Die Mahnungen, zu Hause zu bleiben oder Orte mit vielen Menschen zu meiden, scheinen angesichts des Auflaufs am Aasee zunehmend zu verhallen. So lange der notwendige Sicherheitsabstand eingehalten wird, kann das funktionieren. Doch es mehren sich nicht nur in der öffentlichen Debatte Stimmen, die vor einer Einkehr des Schlendrians warnen.

Erste Anzeichen von Covid-19-Müdigkeit

Einhergehend mit der Änderung in den Mobilitätsdaten zeigte sich auch eine Veränderung in der “psychologischen Lage” der Bevölkerung. Dieses wöchentliche Monitoring mit dem Namen COSMO (Covid-19 Snapshot Monitoring) führt die Universität Erfurt u. a. in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut durch. An der repräsentativen Befragung nahmen 1.024 Menschen teil.

In der vergangenen Woche jedenfalls stellten die Forscher bemerkenswertes fest: “Mobilitätsdaten aus Mobiltelefonen zeigen einen kleinen Anstieg in der Bewegungshäufikeit der Bevölkerung; diese gehen einher mit einer steigenden Wahrnehmung, dass die Maßnahmen übertrieben sind (kleiner Effekt).”

Aus dem Zusammentreffen dieser und weiterer Faktoren leiteten die Autoren des Berichts ab: “Das Gesamtmuster deutet auf eine einsetzende Gewöhnung und möglicherweise langfristig sinkende Bereitschaft hin, die Maßnahmen vollumfänglich und konsequent mitzutragen.”


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