Münster

Keime in Gewässern gefunden – Stadt sieht keine Gefahr

Forscher der Uni haben den Emmerbach auf das Vorkommen multiresistenter Keime untersucht.

Forscher der Uni haben den Emmerbach auf das Vorkommen multiresistenter Keime untersucht.

Multiresistente Keime sind eigentlich nur aus Krankenhäusern bekannt, wo sie mitunter tödlich verlaufende Infektionen verursachen. Inzwischen sind die Keime immer häufiger auch in Gewässern vorzufinden. Die Stadt untersucht derzeit, ob solche Organismen auch in Bächen, Seen und in den Abwässern von Krankenhäusern vorkommen. Bei einer ersten Stichprobe wurden die Forscher direkt fündig. Gefahr besteht nach Angaben der Behörden aber nicht.

“Die bisherigen Ergebnisse waren nicht überraschend und konnten so erwartet werden”, sagt Norbert Schulze-Kalthoff, Leiter des Gesundheitsamtes, zu den ersten Ergebnissen der Untersuchungen. Diese hatte die Stadt auf Anträge von Grünen und Linkspartei in der Bezirksvertretung Hiltrup hin in Auftrag gegeben (wir berichteten).

Im November und im Februar erfolgten die ersten Probenentnehmen an zwei der vorab neun definierten Entnahmestellen im Bezirk Hiltrup. Hygiene-Experten der Universität wurden in beiden Fällen fündig. “Dies sind übliche Darm- und Umweltkeime, deren Vorkommen erwartet wurde. Die befürchteten und auch gesuchten MRSA-Keime wurden hier bisher nicht gefunden”, beruhigt Schulze-Kalthoff. Vorsichtsmaßnahmen betrachtet er nach dem jetzigen Kenntnisstand als nicht notwendig.

Weitere Proben folgen

Zu den Proben aus den Abwässern des Herz-Jesu-Krankenhauses heißt es in der Berichtsvorlage für den Rat: “Die nachgewiesenen Bakterien weisen gehäuft multiresistente Eigenschaften (z. B. MRGN) auf”. Das mag auf den ersten Blick nicht verwundern, denn multiresistente Keime sind vor allem aus dem Krankenhausumfeld bekannt. Diese Keime sind häufig gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent und können daher nur schlecht bis gar nicht behandelt werden. Besonders Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie sie eben in Krankenhäusern anzutreffen sind, sind für eine solche Infektion besonders anfällig.

Zudem wurden Proben aus dem Emmerbach entnommen. Hierzu heißt es in der Berichtsvorlage, er “sehr gering mit bakteriellen Keimen belastet. Vereinzelt konnten multiresistente Eigenschaften nachgewiesen werden.”

“Die ersten Ergebnisse sind erwartbar gewesen”, meint auch Carsten Peters, der für die Grünen sowohl in der Bezirksvertretung Hiltrup als auch im Stadtrat sitzt. Die Vorlage ist seiner Meinung nach als erster Zwischenbericht zu sehen. Im Stadtbezirk Hiltrup sollen von Mai bis Juli weitere Proben genommen werden, beispielsweise aus dem Hiltruper See und dem Dortmund-Ems-Kanal. Peters fordert eine Ausweitung der Untersuchungen auf das gesamte Stadtgebiet und eine Diskussion über die Verbreitungswege.

Erster Todesfall durch multiresistente Keime

Dass die Belastung von Oberflächengewässern mit multiresistenten Keimen ein durchaus realistisches Szenario ist, beweist eine Untersuchung des “NDR” aus dem letzten Jahr. Nach einem Todesfall in Hessen, der auf besagte Keime zurückzuführen ist, ließ der Sender verschiedene Flüsse in Niedersachsen prüfen – mit einem Ergebnis, das selbst Experten nicht für möglich gehalten hatten. “Das ist wirklich alarmierend”, erklärte Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut dem Sender. “Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht.”

Eine mögliche Quelle für die Verkeimung der Gewässer ist bereits ausgemacht: die industrielle Landwirtschaft. Gelten in der Humanmedizin strenge Regeln für Reserveantiobiotika, ist das in der Tierhaltung nicht der Fall. Hier werden die Medikamente auch präventiv verabreicht. “Resistente Bakterien treten gehäuft dort auf, wo intensiv Antibiotika verwendet werden”, heißt es dazu in der Vorlage. Und weiter: “Im Rahmen einiger aktueller Studien wurden multiresistente Keime in Gewässern, die sich über Abwässer oder Mastbetriebe in der Umwelt ausbreiten, nachgewiesen. Die Erreger aus der Umwelt können unter bestimmten Umständen zurück zu den Menschen gelangen.”


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