Münster

Abtreibungsgegner: Paul Cullen darf Professur behalten

Prof. Paul Cullen

Paul Cullen hat in den letzten Wochen für Gesprächsstoff gesorgt. AStA und Kritische Mediziner*innen forderten die Abberufung des Mediziners, der unter anderem wegen seines Engagements bei Abtreibungsgegnern in der Kritik steht. Doch dazu kommt es nicht.

“Die Aberkennung der Bezeichnung ‘Außerplanmäßiger Professor’ kommt (…) nicht in Betracht”, teilte die Medizinische Fakultät am Freitag mit. Weiter hieß es: “Über die Argumentationsweisen, mit denen Prof. Cullen seine Meinungen vertritt, kann man ebenso streiten wie über die Positionen selbst, die er zu den oben genannten Themen (Abtreibung und Corona-Impfungen/Anm. d. Verf.) einnimmt.” Das von der Rechtsordnung vorgesehene Mittel der Reaktion auf kontroverse Meinungen sei das des gesellschaftlichen Diskurses und nicht die rechtliche Sanktion.

Voraussetzung für die Aberkennung der Professur aber wäre ein wissenschaftliches Fehlverhalten, also eine “erhebliche, fahrlässige oder vorsätzliche Falschdarstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse”. Diese sieht die Fakultät nicht als gegeben an. Gleichzeitig hat sie keine Belege dafür gefunden, dass Cullen “seine privaten Ansichten in unzulässiger Weise in seine Lehre an der WWU einfließen lässt und damit Privates mit den Verpflichtungen aus der außerplanmäßigen Professur vermischt”.

Der AStA und die Kritische Mediziner*innen hatten im Januar gefordert, Cullen die Professur zu entziehen. Sie sprachen von “unwissenschaftlichen, antifeministischen und antisemitischen Äußerungen” des Leiters des Münsteraner MVZ-Labors.

Cullen sieht keinen Widerspruch

Dabei verwiesen sie unter anderem auf seine Funktion als Vorsitzender des Vereins Ärzte für das Leben”  und als Mitglied im Vorstand des “Bundesverband Lebensrecht”. Letzterer propagiert den Lebensbeginn “ab der Zeugung” und organisiert in Berlin den deutschlandweit größten “Marsch für das Leben”. Ziel der sogenannten Lebensschützer*innen: Das Verbot von Abtreibungen und die Bestrafung von ausführenden Ärzt*innen und Betroffenen.

Cullen selbst sah in einem Interview mit uns keinen Widerspruch zwischen seiner offensiv vorgetragenen Haltung beim Thema Abtreibungen und seinem Engagement an der Universität.”Ich verstehe, dass Leute da einen Konflikt sehen. Man muss manchmal auch aushalten, dass man unterschiedlicher Meinung ist.”

Der AStA begrüßte in einer ersten Stellungnahme den Umstand, dass sich die Medizinische Fakultät mit der Thematik auseinandergesetzt hat: “Es macht uns allerdings betroffen, dass die Fakultät sich nach wie vor nicht zu den antisemitischen Aussagen Cullens verhält.” Die Fakultät ignoriere, dass es Aussagen gebe, die nicht unter den von ihr angeführten Schutz der freien Meinungsäußerung fallen.


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