Münster

Siemensstraße: Marischa hilft Sexarbeiterinnen in Not

Der Straßenstrich auf der Siemensstraße bei Tag, (Foto: Archiv)

Der Straßenstrich auf der Siemensstraße bei Tageslicht. (Foto: Archiv)

Der Straßenstrich auf der Siemensstraße ist verwaist, die Bordelle wieder geschlossen. Prostitution ist wieder verboten – das bringt viele Sexarbeiterinnen in Not. Hilfe kommt vom Projekt Marischa.

“Das Verbot von Sexarbeit führt bei vielen Personen zu enormen, teilweise existentiellen Sorgen und Nöten und stellt sie vor die Frage, wie sie Geld verdienen können”, erklärt das Projekt Marischa in einer Pressemitteilung. In dieser besonders schwierigen Zeit benötigen die Frauen besondere Unterstützung (wir berichteten). So finden vermehrt Begleitungen und wöchentliches Streetwork auf der Siemensstraße statt.

Zudem gibt es seit Anfang Oktober 2020 den “Treffpunkt Marischa”, ein Angebot der Ehrenamtlichen an die Frauen, sich auch in Corona-Zeiten möglichst niederschwellig beraten zu lassen. In Notlage erhalten sie Lebensmittel, Gutscheine für Supermärkte oder Hygieneartikel.

Ehrenamtliche des Projektes Marischa suchen die Frauen seit 2013 auf, die auf dem Straßenstrich in Münster arbeiten und unterstützen diese in ihrem Alltag. Seit 2016 ist eine halbe Stelle im Gesundheitsamt für das Projekt da. Seitdem ist Marischa weitergewachsen und mittlerweile engagieren sich zwölf Ehrenamtliche für die Frauen. Weitere sechs helfen in Notsituationen im Hintergund. Dadurch konnten die verschiedenen Angebote nach eigenen Angaben stark ausgeweitet werden.

Weiterhin Streetwork auf der Siemensstraße

Auch in der aktuellen Situation bietet das Projekt weiterhin Unterstützung an und versucht den Kontakt zu den Frauen aufrechtzuerhalten. “Insbesondere die Siemensstraße als Beratungsort darf dabei nicht wegfallen, da die Klientinnen wissen, dass sie dort mit den Mitarbeitenden des Projektes reden können”, heißt es weiter. “Der Bedarf, sich anvertrauen zu können, ist groß.” Deswegen besuchen die Streetworker und Streetworkerinnen trotz des Verbotes von Sexarbeit die Straße und laden die dort angetroffen Prostituierten zum Gespräch ins Gesundheitsamt ein, um ihnen eine Alternative und weitere Hilfen anzubieten.

Das Projekt bemüht sich durch Aufklärung über die neuen Regelungen und gesundheitlichen Gefahren und durch das Verteilen von Hygieneartikeln wie Masken für die aktuelle Pandemiesituation zu sensibilisieren. Zudem bekommen die Fauen Unterstützung bei Anträgen für Grundsicherung und die Möglichkeit, sich weiterhin kostenlos und anonym auf HIV und sexuell übertragbare Infektionen testen und gesundheitlich untersuchen zu lassen.

Schon der erste Lockdown im Frühjahr hatte drastische Auswirkungen für die Menschen, die in Münster sexuelle Dienstleistungen anbieten. Erst das Urteil des OVG in Münster aus dem September, das Sexarbeit unter strengenden Auflagen wie der Dokumentation der Kontakte wieder erlaubte, änderte sie Situation zwischenzeitlich. Im November aber war ein erneutes Verbot mit dem “Lockdown light” verbunden.


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