Münster

Musterschüler Münster: (Zu) locker im “Lockdown light”

Weihnachtsshopping im “Lockdown light”: Auch mit Masken ist viel los auf der Salzstraße, wie auf dieser zwei Wochen alten Aufnahme. (Foto: Stephan Brinktrine)

Zu Beginn der vergangenen Woche hatten wir etwas zu feiern: die niedrigsten Inzidenzwerte in ganz NRW. Großes Staunen, die Medien standen Schlange. Wie hat Münster das nun wieder geschafft? Unsere Datenanalyse hingegen belegt, dass die Münsteraner Bürger*innen sich nicht ganz so vorbildlich wie im Frühjahrs-Shutdown verhalten.

Black Friday, Weihnachtsgeschäfte, Konsumrausch. Trotz der fehlenden Weihnachtsmärkte tummeln sich in der Innenstadt viele Menschen, die ihre Weihnachtsgeschäfte erledigen wollen. Dennoch: Der Inzidenzwert lag mit dem Stand von Montag bei 50,7 – knapp über der kritischen Grenze von 50 Neuinfektionen bei 100.000 Einwohner*innen in sieben Tagen. Das sorgte landesweit für Aufsehen. Münster, ein gelber Fleck auf der sonst durchweg roten Infektionskarte von Nordrhein-Westfalen.

Die Münsteraner*innen scheinen sich indes anders zu verhalten wie im Frühjahr, wo auch die Geschäfte geschlossen waren. So flanierten am Shoppingsamstag – trotz “Lockdown light” – am 24. November 41.501 Menschen auf der Ludgeristraße. Die Höchstwerte liegen jedoch am 26. September und 10. Oktober mit fast 48.000 Menschen. Das sind fast so viele wie vor den Corona-Maßnahmen Anfang März (07.03.), als knapp 50.000 Menschen auf der Ludgeristraße flanierten.

Die hohe Passant*innenfrequenz auf der Ludgeristraße trotz sogenannten “Lockdown light” decken sich mit den allgemeinen Mobilitätsdaten, die vom Robert Koch Institut eine Woche nach der Verkündung der neuen Maßnahmen ab dem 2. November aufgrund von Mobilfunkdaten analysiert wurden. Es zeigt sich dort ein klarer Trend: Im Vergleich zum Monat im letzten Jahr sank die Mobilität zum 10. November um 26 Prozent. Mitten im Frühjahrs-Shutdown waren es sogar 50 Prozent.

Anders als zu den Passant*innenzahlen auf der Ludgeristraße hat sich der Autoverkehr auf der Weseler Straße / Moltkestraße wenig verändert. Während im März durchschnittlich 30.709 PKW die Zählstelle passierten, waren es vom 01. November bis zum 07. Dezember durchschnittlich 31.854 PKW – nur ein leichter Anstieg. Da PKW ohnehin zum Individualverkehr zählen, wird sich dieser nicht wesentlich in den Infektionszahlen bemerkbar machen.

Münster steht immer (noch) gut da

Wie erklärt sich die Stadt, dass sich die Neuinfektionen trotz der erhöhten Mobilität im Zaum halten? Der Krisenstabs-Vorsitende Wolfgang Heuer sagte dem “WDR“, dass die Münsteraner*innen “sich sehr stark mit der Stadt” identifizieren würden. Aus diesem Grund falle es vielen Bürger*innen leicht, “auch solidarisch und rücksichtsvoll auf andere zu schauen”. Oberbürgermeister Markus Lewe äußerte sich in der Ratssitzung am Mittwochabend ähnlich: Die starke Solidarität der Bürger untereinander sei maßgeblich dafür, dass wir die Krise besser gemeistert haben als viele andere Städte.

Wenn es nach den jüngsten Daten geht, scheint die Solidarität schwer zu bröckeln: Der Inzidenzwert ist am Samstag auf 79,6 gestiegen.


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  1. Absolut spekulativ, aber als kleines Brainstorming:, bevor man hier Identifikation mit der Stadt als Erklärung für niedrige Infektionszahlen heranzieht:
    – In Münster gibt es anteilsmäßig vermutlich viele Menschen, die Home Office machen oder sonstwie zuhause bleiben können.
    – Möglicherweise sind viele Studenten, die hier einen Wohnsitz haben, derzeit nicht einmal in Münster und zählen bei den “Fälle pro 100.000” in den Nenner, aber nicht in den Zähler?
    – Wer sich in der Fußgängerzone ansteckt, ist vielleicht ebenfalls hinterher in den Infektionszahlen anderer Städte zu finden.

    1. Ein guter Ansatz. Solche Analysen sollte man weiter verfolgen. Wie ist die aktuelle Situation der Bevölkerung in den Städten etc. Man müsste auch gucken, wie ist die Situation in Hildburghausen gerade. Also kann da überhaupt jemand homeoffice machen, etc. Wie leben die Menschen im Land und was sagt das über die Zahlen aus. Etc. Wie ist die finanzielle Ausstattung der Menschen in einer Stadt mit wenig Fällen im Vergleich zu einer Stadt oder einem Stadtteil mit hohen Fallzahlen. Dann würde man vielleicht auch von dem Vorwurf gegenüber einigen Bevölkerungsgruppen wie Jugendlichen ein Stück weit wegkommen. Guter Ansatz.

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