Rathaus

Afd-Ratsherr Martin Schiller verlässt die Partei

Martin Schiller steht innerparteilich unter Druck.

Martin Schiller, hier am Rande eines Gerichtsverfahrens im Jahr 2019, hat seinen Austritt aus der Afd angekündigt.

Paukenschlag in der Afd Münster: Kreissprecher Martin Schiller tritt von allen politischen Ämtern zurück und wird die Partei verlassen. Damit kommt er einer möglichen Abwahl durch den eigenen Kreisverband zuvor.

Am vorvergangenen Samstagmorgen hatte Martin Schiller auf seiner Facebook-Seite noch Zuversicht erkennen lassen. Da postete er ein Foto von der Autobahnfahrt nach Siegen, wo die Afd die Aufstellungsversammlung für die anstehende Bundestagswahl abhalten sollte.

Inzwischen ist das Bild verschwunden. Der Unternehmer wird bei dem Urnengang im September nicht für die Afd antreten. Und das, obwohl er sich nach seinem knappen Scheitern 2017 Hoffnungen gemacht hatte auf einen aussichtsreichen Listenplatz.

Doch es kam alles anders. Am vorvergangenen Samstag bewarb sich der Lokalpolitiker, zugleich stellvertretender Sprecher des Afd-Landesverbandes, auf Listenplatz zehn. Einzig: Von Erfolg gekrönt war die Kandidatur nicht. “Ich habe sehr, sehr eindeutig verloren”, erklärte Schiller am Pfingstmontag auf Anfrage. Mit seiner mittelstands- und wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzung habe er nicht punkten können – im Gegensatz zur innerparteilichen Konkurrenz mit ihren “völkischen Maximalforderungen”.

Keine politische Zukunft in der Afd

Noch am gleichen Tag warf Martin Schiller das Handtuch und verließ die Veranstaltung: “Ich habe keinen Sinn mehr gesehen zu bleiben.” Die “innerparteilichen Strippenzieher” hätten jetzt “die Oberhand gewonnen”.

“Die tiefen Gräben innerhalb der Partei haben sich vertieft und die hoffnungslose Zerstrittenheit hat sich zudem verstärkt”, erklärte Schiller in einem am Montagabend verschickten Schreiben an die Parteimitglieder. Das bürgerliche Lager spiele nur noch eine untergeordnete Rolle: “In diesem Spannungsfeld sehe ich für die Afd NRW und auch für mich keine politische Zukunft mehr.” Fortan wolle er sich wieder stärker der Familie und seinem Unternehmen widmen.

Mit diesem Schritt kam Schiller einem möglichen, innerparteilichen Putsch zuvor. In einem uns vorliegenden, von Mittwoch datierten Schreiben beantragen elf Parteimitglieder einen außerordentlichen Parteitag. Einziger Beschlusspunkt: “Abwahl und ggf. Neubesetzung des Vorstands”.

Afd-Mitglieder forderten Abwahl von Martin Schiller

Im Anhang zu dem Schreiben listen die Unterzeichner, unter ihnen der stellvertretende Kreissprecher Holger Lucius, ihre Kritik am Ratsherrn auf. Hierzu gehört nicht nur “das desaströse Abschneiden bei der Kommunalwahl”, sondern auch die öffentlich ausgetragene “Schlammschlacht” mit dem ehemaligen Ratsgruppenmitglied Richard Mol und die fragwürdige Verwendung der Mittel der Ratsgruppe.

“Sollte die Afd in Münster anstreben, den desaströsen Abwärtstrend zu stoppen, so bedarf es radikale personelle und strukturelle Veränderungen (sic) innerhalb des Kreisverbandes”, schließen die Unterzeichner.

Dem WDR gegenüber sagte Schiller am Dienstag, dass er sein Ratsmandat als Parteiloser behalten werde.

Hinweis: Der Beitrag wurde zwischenzeitlich aktualisiert.


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  1. „Sollte die Afd in Münster anstreben, den desaströsen Abwärtstrend zu stoppen, so bedarf es radikale personelle und strukturelle Veränderungen (sic) innerhalb des Kreisverbandes”, schließen die Unterzeichner. Den ersten Schritt in diese Richtung hat Martin Schiller am heutigen Montag getan.“ – Weshalb glauben Sie, der Schritt von Schiller stoppe den AfD-Abwärtstrend?

    1. Sehr geehrter Herr Polenz,

      die Ruhephase für Ihrer Partei in Münster ist ab heute vorbei.

      Die AfD Münster wird sich sofort neu personell und organisatorisch aufstellen und die politische Arbeit aktiv aufnehmen.

      Wir werden nicht länger hinnehmen, dass SPD, Grüne und sonstige linke Parteien Münster in ihre kommunistische Geiselhaft nehmen, unter dem Deckmantel vom Klimaschutz und Coronapandemie.

      Insolvenzen, erdrückende Freiheitseinschränkungen, die Gefahr von Zwangsimpfungen insbesondere von Kindern und vieles mehr in den letzten Jahren geht auf das Konto Ihrer Partei und deren Koalitionspartner. Die AfD Münster schweigt dazu nicht länger!

      Insofern freuen wir uns auf den Neuanfang und ergreifen die Chance, eine zukunftsorientierte und ehrliche Alternative zu sein.

      Ab heute beginnt eine neue Ära in Münster!

      1. “Ab heute beginnt eine neue Ära in Münster!”

        Ja, die Ära ohne die AfD im Münsteraner Stadtrat?

        1. Meinen Sie den Münsteraner Stadtrat, der gut 1.000.000.000,00 € , also 1 mrd € an Schulden für die Stadt Münster zu verantworten hat, Tendenz steigend?

          Oder der sich weigert, den Münster bundesweit in die Schlagzeilen gebrachten Kindesmißbrauchsfall politisch aufzuarbeiten? Warum mußte der ehemalige Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Münster GmbH in einer Nacht und Nebelaktion seinen Stuhl räumen? Hat möglicherweise das Jugendamt versagt?

          Oder meinen Sie den Münsteraner Stadtrat, der den Teilverkauf des sozialen Wohnungsbestandes der Wohngesellschaft Münsterland in der Vergangenheit beschloss und damit für die Wohnnot bei Sozialschwachen in Münster verantwortlich ist?

          Bestimmt meinen Sie den Münsteraner Stadtrat, der die Insolvenzwelle in Münster und die steigenden Jobkündigungen wegen der völlig verfehlten Coronapolitik nicht in den Griff bekommt und wegen seiner Schulden, siehe oben, keinen Spielrum mehr hat!

          In dem Stadtrat wird die AfD Münster tatsächlich fehlen

  2. Martin Schiller stand in der Alternative für Deutschland immer für einen Kurs der wirtschaftspolitischen liberalen Mitte, während er im Gesallschaftspolitischen konservativ war und jeden reaktionären Bestrebungen entgegen trat.
    Martin Schiller hat die AfD verlassen.
    Er war ein demokratischer Patriot, was manchem straffer Gestrickten ein Dorn im Auge zu sein schien.
    Mit seinem rhethorischen Talent und seinem Charme konnte er Menschen führen und unterschiedliche Meinungen zusammen bringen.
    Selbst unterirdische Anwürfe konterte er mit Argumenten und einem schrägen Lächeln ohne ausfallend zu werden.
    Die etlichen Farb- und Stikbombenanschläge auf sein Ladenlokal buckelte er zusammen mit seiner Ehefrau ebenso gelassen ab wie die Verbalen Anwürfe gegen ihn in der Lokalpresse.
    Irgendwann ist auch bei der gefestigsten Überzeugung “Ende Gelände”.
    Wer nicht auf seine Parteifreunde und Wähler bauen kann, wem der Rückhalt fehlt, der geht besser – in Würde.
    Ich wünsche ihm für seinen weiteren Lebensweg Glück und Frieden.

    Reinhard “Hardy” Rupsch, Mitglied im AfD-Kreisverband Münster

    1. Schön das sich sein “Insider” hier meldet. Ich hätte mal zwei Fragen:

      Glauben Sie, das sein rhethorisches Talent und sein Charme, mit dem er Menschen führen und unterschiedliche Meinungen zusammen bringen kann, der Partei fehlen und somit schaden wird?

      Was sind den Ihre Konsequenzen nach diesem deutlichen Zeichen, das sich die AfD weiter weg von der wirtschaftspolitischen liberalen Mitte nach rechts bewegt?

  3. @ Max vom 25. Mai 2021
    zu 1. Jeder, der überdurchschnittliche Befähigungen aufweist, ist ein Verlust, wenn er geht. Andererseits gilt: niemand ist unersetzlich.
    zu 2. Ich sehe das als Problem. Die Alternative für Deutschland startete als Euro-kritische Partei. Das ist sie – unter anderem – heute noch.
    Ich selbst sehe, die gegenwärtige EU als Moloch der Gelldverschwendung und wünsche mir die EWG zurück: Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen –
    aber als ein Europa der Vaterländer.
    Martin Schiller verstand sich – wie ich – als Vertreter des Mittelstands, der Marktwirtschaft und des wirtschaftlichen Liberalismus.
    Nebenbei war er fundamental-christlich orientiert.
    Ich darf mir jetzt überlegen, ob ich meinen Hut in den Ring einer der bürgerlich-mittelständigen Politik verpflichteten Münsteraner AfD werfen muß…

  4. Gerne, Herr Dietrich.
    So wie´s aktuell aussieht, werde ich wohl nicht antreten müssen (der Job als KV-Vorsitzender in Münster ist ja nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig).

    Der NRW-Landesvorstand hat den bisherigen stv. Kreissprecher Holger Lucius kommissarisch als Nachfolger von Schiller eingesetzt – m.E. eine gute Entscheidung!

  5. Lieber Herr Rupsch,
    bitte engagieren Sie sich nicht weiter bei der AFD. Es gibt auch demokratische Alternativen, jenseits von Menschnverachtunf und Faschismus!

    Viele Grüße…

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