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Gewalt gegen Mitarbeiter der Stadt nimmt zu

Symbolbild: Die Gewalt gegen Mitarbeiter der Stadt nimmt zu. (Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Münster, Stadthaus 1 -- 2017 -- 9808” / CC BY-SA 4.0)

Symbolbild: Das Stadthaus 1 an der Heinrich-Brüning-Straße. (Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Münster, Stadthaus 1 — 2017 — 9808” / CC BY-SA 4.0)

Herabwürdigende Gesten, Beleidigungen, körperliche Gewalt: Die Zahl der Übergriffe auf die Mitarbeiter der Stadt hat 2018 einen neuen Höchststand erreicht.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Münster einen traurigen Rekord verzeichnet: Die Statistiker haben in 2018 insgesamt 71 Fälle von Gewalt gegen kommunale Mitarbeiter registriert. Insgesamt waren 94 Angestellte und Beamte in die Vorfälle involviert. Dies geht aus einer aktuellen Berichtsvorlage des Personal- und Organisationsamtes hervor.

Seit 2014 ist ein steter Anstieg von Gewalt gegenüber den Mitarbeitern der Stadt zu verzeichnen. Seinerzeit zählte die Statistik noch 20 Übergriffe durch Worte, Gesten mit eindeutigem herabwürdigenden oder bedrohlichen Charakter sowie körperlicher Gewalt.

Stadt hat Sicherheitsdienste im Einsatz

“Der Umgangston gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist aggressiver und respektloser geworden“, heißt es in dem Dokument. Sie würden bei Beratungs- oder Informationsgesprächen mit “allen erdenklichen, strafrechtlich relevanten Schimpfworten” bezeichnet, würden körperlich – auch unter Einsatz von Waffen – angegriffen und erhielten Morddrohungen. Besonders betroffen sind die Mitarbeiter von Sozialamt (24), Feuerwehr (21) und Ordnungsamt (10). 2018 wurden zudem 28 Hausverbote erteilt.

Als Konsequenz aus dieser Entwicklung hat die Stadt unter anderem Sicherheitsdienste an Standorten wie der Stadtbücherei, dem Rechts- und Ausländeramt, dem Sozialamt, dem Jobcenter und im Stadthaus 1 im Einsatz.

Übergriffe nehmen generell zu

Mit dieser Entwicklung steht Münster nicht allein. “Der Respekt gegenüber hoheitlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat merklich abgenommen”, erklärte Landesministerin Ina Scharrenbach (CDU) im letzten Mai. Das sieht Andreas Hemsing, NRW-Vorsitzender der zuständigen Gewerkschaft Komba, ähnlich: “Diese Entwicklung ist nicht hinnehmbar.” Der Münsteraner Komba-Ableger ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Das Ministerium hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, um das Ausmaß der Gewalt gegen kommunale Beschäftigte genauer zu erfassen. Erste Ergebnisse sollen im laufenden Jahr vorliegen. Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden wird in Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert erhoben.


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  1. “Sozialamt (24), Feuerwehr (21) und Ordnungsamt (10)” – Die Zahlen sind ja jetzt nicht besonders hoch, bei 300.000 Einwohnern – vor allem, wenn ein “Arsch” schon als Beleidigung dazu zählt.

    Polemisch ausgedrückt könnte jeder der 300.000 Einwohner Münsters damit alle 5500 Jahre einmal eine Person verbal angreifen.

    Spannend sind im Kontext also weitere Fragen:
    Steigt die Anzahl der Vorfälle wirklich oder wird einfach mehr angezeigt?
    Gibt es Gründe für einen Anstieg? (Mehr Frust bei den “Kunden”?)

    Gerade die erste Frage ist sehr interessant. Wir leben ja mittlerweile in einer Zeit, in der Anzeigen wegen Beleidigungen und Bedrohungen endlich nicht mehr als “ist egal” abgetan, sondern tatsächlich auch verfolgt werden – also steigt auch die Motivation solch falsches Verhalten auch anzuzeigen (Was sehr gut ist).

  2. Bei aller Sympatie für Wiedertäufer hier ist nur brav abgeschrieben worden was einem serviert wurde. Statt nach Ursache und Wirkung zu fragen. Wir leben in ein System struktureller Gewalt und es erscheint mir eher merkwürdig das sich die Opfer dieser Gesellschaft sich so brav ihrem Schiksal ergeben.
    Wer eine gewaltfreie Gesellschaft will sollte nicht gleichzeitig die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes mit Schlagstöcken ausrüsten, wie auch in Münster. Mit denen es sich nach Aussagen dieser Mitarbeiter auch mal ganz gewaltfrei drohen lässt.

  3. Wenn Bürger Rechtsstaatlichkeit im Umgang mit Behörden und Mitarbeitern erhoffen, stattdessen Willkür und strukturelle Gewalt erleben, antworten sie mit Gewalt weil Logik und Worte versagt haben. Anstand und Moral sind zusammen mit der Mittelschicht seit Mitte der 90 ziger verloren gegangen. Stattdessen dominieren Ungerechtigkeit, Zukunftsängste und Verdrängung. Schlagstock und Panzerglas gegen Bürger löst maximal den Einzelfall, befeuert aber langfristig einen Flächenbrand, der die Demokratie bedroht.

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