Rathaus

Linkspartei: Sagel haut in den Sack

Rüdiger Sagel hat der Linkspartei den Rücken gekehrt. (Foto: Die Linke NRW/Niels Holger Schmidt/CC BY-SA 2.0)

Rüdiger Sagel, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2013, hat der Linkspartei den Rücken gekehrt. (Foto: Die Linke NRW/Niels Holger Schmidt/CC BY-SA 2.0)

Paukenschlag bei der Münsteraner Linkspartei: Der bisherige Ratsfraktionschef Rüdiger Sagel hat jetzt seinen Austritt aus Partei und Fraktion erklärt. Der Kreisvorstand fordert nun, dass der Politiker auch sein Ratsmandat zurückgibt.

“Es reicht, nicht so und nicht mehr mit mir”, erklärte Sagel den Schritt in einer Pressemitteilung. “Statt zukunftsorientierter demokratischer Politik gibt es bei der Linke nun mehrheitlich diktatorischen Sozialismus mit DDR-Programmatik in Münster und NRW für die Kommunalwahl 2020.” Das persönliche Mobbing gegen alle pragmatischen Leute in der Partei sei ohnehin schon lange unerträglich.

Bereits in den letzten Monaten war deutlich geworden, wie tief der Riss zwischen dem selbstbewussten Politiker und der Partei ist. Hier der altgediente Pragmatiker Sagel, dort die junge Parteiführung, die ihm Alleingänge vorwirft. Der 64-Jährige konterte zuletzt öffentlich mit Rücktrittsforderungen. “Lange habe ich gegen hierarchische, intransparente Strukturen, und gegen programmatische Verirrungen angekämpft”, sagte Sagel weiter. “Das nun ausgeübte mehrheitliche diktatorische Agieren eines radikalen Zirkels in der Linke (…) ist für mich nicht mehr aushaltbar.”

Sagel soll Ratsmandat zurückgeben

Ob er sein Ratsmandat behält und wie es mit seiner politischen Karriere weitergeht, wollte Sagel auf Nachfrage am frühen Samstag nicht sagen. Am Montag werde er sich im Rahmen eines Pressegesprächs zu seinen Zukunftsplanungen äußern.

“Wir sind nicht überrascht von diesem Schritt”, sagte André Groß, Kreissprecher der Linkspartei, auf Anfrage. Sagel habe sich in den letzten Jahren nicht mehr in die Parteiarbeit eingebracht und auch im Rat häufig allein agiert. “Wir erwarten von ihm, dass er jetzt sein Ratsmandat zurückgibt. Er ist schließlich über die Liste gewählt worden.”

In einer ähnlichen Situation im Landtag hingegen war Sagel, der auf eine lange politische Karriere zurückblicken kann, bei der Linken mit seinem Landtagsmandat hochwillkommen. Zwölf Jahre saß er im Parlament in Düsseldorf, zunächst auf dem Ticket der Grünen, bevor er dann während der laufenden Legislaturperiode zur Linkspartei wechselte.

Erfolgreicher Wahlkampf in 2014

Von Erstgenannten kamen der Überlieferung nach hämische Glückwünsche anlässlich des Neuzugangs, der seine ersten politischen Schritte in der Anti-AKW-Bewegung machte. Er kannte den Hambacher Forst schon lange, bevor das Waldstück bundesweit Schlagzeilen machte.

Seit 2014 sitzt er im Stadtrat und hat nach eigener Ansicht einen maßgeblichen Teil zur Verdoppelung des letzten Kommunalwahlergebnisses in Münster beigetragen.


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Ein Kommentar

  1. Rüdiger Sagel setzt hier demagogisch den Revisionismus der DDR mit dem Sozialismus gleich, ganz getreu der Staatsdoktrin des Antikommunismus. Die Diktatur des Proletariats wird auch hier demagogisch gleichgesetzt mit der Diktatur bürokratischer Parteifunktionäre, wie es sie in der DDR nach dem Verrat am Sozialismus 1956 gegeben hat. Gleichzeitig wird auch hierdurch verschleiert, dass der bürgerliche Parlamentarismus der Bundesrepublik auch eine Form der Diktatur des Kapitals ist, bei der die kleinbürgerlich-parlamentarische Denkweise als Betrug an den Massen angewendet wird während die Monopole über die Politik des Landes entscheiden.
    Die Linkspartei hat, auch in Münster, keinerlei Absicht den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus zu errichten. Zwar schlägt sie auf ihrer Homepage auch antikapitalistische Töne an, stellt aber ganz bewusst nicht die Systemfrage. Ich wehre mich entschieden gegen derart antikommunistische Bemerkungen, die sich im Kern nicht gegen die Linkspartei sondern gegen die MLPD richten.

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