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Kostenloser Nahverkehr: Monheim first. Münster nix.

Symbolbild kostenloser Nahverkehr

Symbolbild: Kostenloser Nahverkehr in Münster? Wohl eher nicht. (Foto: Stadtwerke Münster)

Monheim hat es in der vergangenen Woche vorgemacht: Künftig können die Einwohner hier gratis mit dem Bus fahren. Auch ein Modell für Münster? Ein kostenloser Nahverkehr ist am Ende vor allem eine Frage des Geldes – und des politischen Willens.

Dass es ein Städtchen wie Monheim am Rhein in die überregionalen Nachrichten schafft, hat Seltenheitswert. In der vergangenen Woche aber war es soweit. Der Stadtrat stimmte für die Einführung des kostenlosen Nahverkehrs. Die 44.000 Einwohner der Stadt zwischen Düsseldorf und Leverkusen sollen ab April 2020 gratis mit dem Bus fahren.

Wäre das nicht auch was für Münster? Wo die Stadtwerke mit einer gewissen Regelmäßigkeit an der Preisschraube drehen (müssen), was das Busfahren nicht eben attraktiver macht? Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt: Das Thema Geld dürfte hier letztlich ausschlggebend sein. Die Steueroase Monheim muss drei Millionen Euro und damit zehn Prozent ihres Haushaltsüberschusses für den Gratis-Busverkehr aufwenden. Ein ähnliches Projekt im brandenburgischen Templin stampften die Stadtoberen 2003 nach fünf Jahren wieder ein – es war schlichtweg zu erfolgreich und am Ende teuer.

In Münster würden die drei Mio. Euro aus Monheim nicht einmal im Ansatz reichen. Die Stadtwerke erklärten auf Anfrage, dass der hiesige Nahverkehr rund 50 Mio. Euro kostet. 36 Mio. Euro werden durch Ticketverkäufe und weitere Einnahmen gedeckt. Den Rest verrechnet das städtische Unternehmen mit den Gewinnausschüttungen an seinen Besitzer. “Da wir davon ausgehen, dass auch die Nutzung erheblich steigt, müssten auch mehr Busse fahren. Dafür fallen Zusatzkosten für Fahrzeugbetrieb, Wartung und Fahrer an – über den Daumen geschätzt könnten die Kosten um 50 Prozent steigen.” Unterm Strich müssten am Ende – so die grbe Schätzung – 70 Mio. Euro Kosten gedeckt werden.

Kostenloser Nahverkehr kostet

Kostenloser Nahverkehr ist also nicht ganz billig – und es stellt sich die Frage, ob die Stadt eine solche Summe zu stemmen in der Lage und bereit wäre. Vielleicht aber liegt die Lösung irgendwo in der Mitte. Ein Ratsantrag der SPD beispielsweise sah vor, die Kosten für ein Nahverkehrsabo auf einen Euro Pro Tag zu senken (Stand jetzt: 49 Euro). Der Preis für ein einfaches Ticket für Gelegenheitsfahrer sollte auf einen Euro (Stand jetzt bei Kauf im Bus: 3,30 Euro) reduziert werden. Kostenpunkt für die Stadt: fünf Mio. Euro, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, das zudem vergaberechtliche Bedenken anführte. Nicht zu vergessen: Die Ausschüttungen an den städtischen Haushalt müssten dann reduziert werden.

In der entsprechenden Vorlage riet die Verwaltung von der Umsetzung des SPD-Vorschlags ab. Der Haupt- und Finanzausschusses stimmte dem am 3. Juli zu. Immerhin: Die schwarz-grüne Koalition setzt jetzt auf die Einführung eines “preislich verbesserten” Regionaltickets.


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