Münster

Die Mafia ist auch in Münster zu Hause

Die Mafia-Expertin Petra Reski bei ihrem Vortrag im Paul-Gerhardt-Haus.

Die Mafia wird häufig als italienisches Problem abgetan. Doch genau das ist falsch: Deutschland ist ein beliebter Rückzugsraum für Cosa Nostra und ‘Ndrangheta – und Münster bildet da keine Ausnahme, sagt die Mafia-Expertin Petra Reski.

“Münster ist eine Welt, die im Wesentlichen aus rotem Klinker, imposanten Kastanienbäumen und der Überzeugung besteht, dass hier nichts Schlimmeres passieren kann, als von einem militanten Radfahrer überfahren zu werden”, hat Petra Reski in ihrem 2010 erschienenen Buch “Von Kamen nach Corleone” geschrieben. Die Journalistin beschäftigt sich seit knapp 30 Jahren mit dem Thema Mafia und hat sich seither einen Ruf als ausgewiesene, wenn auch streibare Expertin erarbeitet.

Eine ihrer Kernaussagen: Die Mafia ist hierzlande viel stärker verwurzelt als die meisten Mitbürger ahnen. “Es gibt in fast jeder deutschen Stadt Clans”, erklärte die Wahl-Venezianerin den 80 Menschen, die am Freitagabend zu ihrer Lesung in das Paul-Gerhardt-Haus gekommen waren. Münster sei da keine Ausnahme, selbst in einem Ort wie Warendorf gebe es entsprechende Strukturen. Hier habe sich der aus dem kalabrischen Crotone stammende Clan Grande Aracri bereits vor Jahrzehnten eingerichtet. Die Gruppierung verfügt über weitere “Niederlassungen” im Bundesgebiet.

Nur ein “italienisches Problem”?

Die föderal organisierte ‘Ndrangheta, die ihre Wurzeln in der süditalienischen Provinz Kalabrien hat, ist nicht nur in Großstädten und Metropolen anzutreffen. Sie geht ihren Geschäften in Bochum, Oberhausen und Essen nach, aber auch in niederrheinischen Städten wie Kaarst und Xanthen, Kevelaer, Neukirchen-Vluyn, Wesel und Dinslaken. Oberste Regel: Diskretion, denn Aufsehen ist schlecht für das Geschäft: “Mafia ist pragmatisch.” Die Mafia-Morde von Duisburg, bei denen 2007 sechs Menschen getötet wurden, waren Ausnahmen.

“Die eigentliche Frage ist”, warf Reski am Freitag in den Raum, “warum könne diese Clans hier Geschäfte machen?” Neben den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland führte die 60-Jährige den mangelnden Verfolgungsdruck durch Polizei und Justiz als Standortfaktoren an. Das sei in Italien anders, wo allein schon die Mafia-Zugehörigkeit strafbar ist. Auch seien die Hürden für Abhöraktionen ungleich höher als auf der Apennin-Halbinsel. Nicht zuletzt: “Ich habe keinen deutschen Politiker getroffen, der das Wort Mafia in den Mund genommen hätte.” Das sei immer ein italienisches Problem.


Zur Person: Petra Reski

Die Journalistin, Krimi- und Sachbuchautorin Petra Reski lebt heute in Venedig. Ihre Wurzeln aber liegen in Westfalen: Sie wurde 1958 in Unna geboren und zog später zum Studium nach Münster. Ihre Faszination für das Thema Mafia weckte in den 80er Jahren Mario Puzzos weltbekannter Roman “Der Pate”. Direkt nach dem Abitur fuhr sie in die süditalienische Stadt Corleone, die in dem Buch eine maßgebliche Rolle spielt.

Nach dem Romanistik-Studium, das sie auch nach Trier und Paris führte, absolvierte sie eine Ausbildung an der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule. 1988 begann sie zunächst im Auslandsressort des “Stern”, bevor es Reski drei Jahre später in die Lagunenstadt Venedig verschlug.


Reski weist in ihren Publikationen immer wieder darauf hin, dass die Clans versuchen, in den Stadtgesellschaften einflussreiche Positionen zu erobern. So seien viele Mafiosi in den wichtigen lokalen Vereinigungen aktiv, um so beste Verbindung in die führende Stadtgesellschaft zu bekommen. Teilweise scheuten sie auch nicht davor zurück, sich durch besonders exponierte Ämter in der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Allein gegen die Mafia

Am Freitagabend mussten viele Zuhörer ihr – häufig aus Filmen – geprägtes Bild von der Mafia revidieren. Reski selbst ist das beste Beispiel dafür, dass unliebsame Personen nicht zwangsläufig mit Blei zum Schweigen gebracht werden – sondern mit Hilfe der Justiz. Passagen mehrer Bücher Reskis mussten nach Prozessen nachträglich geschwärzt werden. Gleichwohl hat sie mehrfach mehr oder minder subtile Drohungen erhalten.

Die Journalistin hat auch deswegen das Fach gewechselt und fokussiert sich derzeit auf fiktionale Stoffe: 2017 erschien ihr dritter Mafiakrimi “Bei aller Liebe”, in dem es um das Geschäft der Mafia mit Migranten geht. Protagonistin ist die in Deutschland aufgewachsene Polizistin Serena Vitale, die zusammen mit einem deutschen Journalisten ermittelt. Parallelen zur Realität? Nicht ausgeschlossen. Aber selbstverständlich alles Fiktion.


Scheiß’ auf Facebook! Wir informieren Dich mit unserem Nachrichtendienst immer, wenn ein neuer Artikel online geht. Hier abonnieren:

Unser Newsletter enthält Informationen zu unseren journalistischen Produkten. Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung, erhaltet ihr in unserer Datenschutzerklärung.

  1. Gilt der Generalverdacht auch für den aktuellen Münsteraner Karnevalsprinzen? Wo ist die Grenze, ich bin ein Anwalt aus Münster mit italienischem Namen ….. Hoch lebe die Faktenlage.

    1. Das ist die als solche kenntlich gemachte Meinung von Frau Reski. Sie hat in diesem Zusammenhang allgemein gesprochen und keine Personen erwähnt oder Andeutungen gemacht.

  2. Ich finde den Artikel auch etwas schwach. Einige Andeutungen, aber wenig bis gar keine Fakten. Schade, wenigstens ein paar Beispiele aus der Vergangenheit währen schon schön.

  3. Ich finde die Informationen dieser Seite sehr gut und möchte gern weiterhin diese Informationen erhalten.

    Freundliche Grüße
    Th. Bockem-Rohleder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.