Münster

Herz-Jesu-Krankenhaus: Corona-Impfung für den Geschäftsführer

Im Herz-Jesu-Krankenhaus erhielt der Geschäftsführer eine Corona-Impfung.

Einige Kliniken in Münster missachten offenbar im großen Stil die Priorisierungsvorgaben für die Corona-Impfung. Neuester Fall: Im Hiltruper Herz-Jesu-Krankenhaus stand der Geschäftsführer ganz vorne in der Schlange – und das ist noch nicht alles.

Nach eigenen Angaben hat das Krankenhaus bereits allen 714 Mitarbeitenden aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 eine Impfung angeboten. Dass Personal aus diesen Kategorien geimpft wurde, hatte die Klinik schon zum Impfstart am 18. Januar auf der Website verkündet. 539 Mitarbeitende haben sogar schon eine zweite Dosis bekommen, teilte die Einrichtung am 23. Februar auf Nachfrage mit. “Rums” hatte hierüber zuerst berichtet.

Offiziell erlaubt ist es aber erst seit dem 18. Februar, auch Menschen aus der Kategorie 2 zu impfen. Vorher war dies wegen des knappen Impfstoffs ausschließlich der Gruppe 1 vorbehalten, erklärte das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage. Auch das Clemenshospital setzte sich über die Priorisierungsvorgaben hinweg.

Priorisierung zweitrangig?

Wie erklärt die Klinik das? “Damit, dass wir sorgsam mit der Gewinnung von Impfstoff aus den Ampullen umgegangen sind und somit mehr Impfstoff gewinnen konnten”, schreibt die Pressestelle. Laut der Klinik war sogar so viel Impfstoff da, dass Menschen eine Corona-Impfung bekommen haben, die erst in einigen Monaten an der Reihe wären.

“Die Impfdosis muss verwendet und nicht verworfen werden”, heißt es in einer Pressemitteilung, in der Geschäftsführer Tim Richwien zitiert wird. Dies habe dazu geführt, “dass bereits einige wenige Mitarbeiter der Kategorie 3 geimpft werden konnten”. Wie viele Personen das waren, könne man nicht sagen, heißt es. Auf die Frage, wie es zu so großen Restmengen kam, antwortet das Krankenhaus nicht.

Corona-Impfung für den Chef

Ganz vorn in der Reihe der Impflinge im Herz Jesu stand Geschäftsführer Richwien. Das führte offenbar intern zu einigen Verstimmungen. Zwei anonyme Quellen erheben den Vorwurf, er habe sich vorgedrängelt. Sie sprechen von “skandalösen Vorgängen (…) bei der Impfreihenfolge” und dass Richwien sich bereits am 19. Januar “vor vielen Mitarbeiter/innen (sic) der Intensivstation und der OP-Teams impfen lassen” habe.

Eine Anfrage zu den Anschuldigungen beantwortete er nicht. Das Krankenhaus schreibt, der Ökonom sei mit weiteren Mitarbeiter:innen der Kategorie 3 geimpft worden, weil er zur Einsatzleitung der Klinik gehöre. Das mag plausibel klingen, aber an der Reihe war Riechwien zu diesem Zeitpunkt nicht.


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Ein Kommentar

  1. Es wäre zu wünschen, dass in Deutschland deutlich mehr darüber geschrieben würde, wie der Status der Impstoffverwendung ist (in NRW fehlen anscheinend Daten: https://www.dw.com/de/faktencheck-werden-in-deutschland-corona-impfdosen-weggeworfen/a-56786652) und wie sichergestellt werden kann, dass auch alle Impfdosen genutzt werden. Mehr Transparenz, bessere Daten und effektivere Impfung werden auch in der Nachbarschaft gefordert: https://www.owl24.de/bielefeld/bielefeld-stadt-will-bei-impfungen-tempo-machen-coronavirus-impfzentrum-nrw-jens-spahn-impfplan-90225793.html Wenn man auf den Kreiskarten auf “Impfung” klickt, sieht man, wo überall Kreisdaten fehlen: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/karte-sars-cov-2-in-deutschland-landkreise/ – und man sieht deutliche Unterschiede zwischen den Gesamtzahlen der Bundesländer.

    Nicht nur bei uns, auch in den Nachbarländern gibt es jedoch Probleme mit mangelnder Flexibilität (https://www.nordschleswiger.dk/de/nordschleswig-daenemark-politik/neue-listen-regionen-wollen-keine-impfdosen-mehr-verschwenden).

    Stattdessen liegt der Schwerpunkt der Berichte darauf, wer nun schon möglicherweise außer der Reihe geimpft wurde. Dadurch steigende Verunsicherung darüber, ob man nun dran ist und darf, wird vermutlich eher dazu führen, den Impf-Fortschritt zu bremsen – zusammen mit Memes über mangelnde Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca.

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