Stadtgeschichte(n)

Burschenschaft Franconia: Verbindung nach ganz rechts

Robert M., Mitglied der Burschenschaft Franconia, bei einer Aktion der Identitären Bewegung am Kölner Hauptbahnhof im Dezember 2016. (Foto: twitter.com/infozentrale)

Die Münsterer Burschenschaft Franconia hat seit dem letzten Semester ein Mitglied mit Verbindungen ins rechtsextreme Milieu. Für die Studentenverbindung scheint das kein Problem zu sein.

Robert M. sticht heraus. Brille, Seitenscheitel, ein markanter Bart, wie er zu Kaisers Zeiten in Mode war. Hervorstechend ist aber auch seine Vita, denn die dürfte auch innerhalb der Münsterer Burschenschaft Franconia eine Besonderheit sein. Bevor er im letzten Semester als Novize – im Jargon Fux genannt – an der Himmelreichallee seine Zelte aufschlagen durfte, hatte er sich bereits einige Jahre in alt- und neurechten Kontexten bewegt.

Das belegt nicht zuletzt umfangreiches Bildmaterial, das den Wiedertäufern von der Antifaschistischen Linken Münster neben einem Dossier zu M. zur Verfügung gestellt wurde. Sämtliche Unterlagen haben wir einer intensiven Prüfung unterzogen. Ein Foto aus dem Fundus zeigt den aus dem Aachener Raum stammenden M. beispielsweise 2012 bei der Neonazi-Demo in Rumphorst. Andere Bilder – auf deren Veröffentlichungen wir an dieser Stelle bewusst verzichten – zeigen ihn im Umfeld der inzwischen verbotenen Kameradschaft Aachener Land. Später ist er in vorderster Front auf einer Kundgebung der Partei “Die Rechte” als Bannerträger zu sehen.

Mit der Zeit jedoch scheint der 24-Jährige dem altrechten Milieu den Rücken gekehrt und bei der Identitären Bewegung eine neue Heimat gefunden zu haben. Ein anderes Foto zeigt ihn bei einer Aktion der neurechten Organisation am Kölner Hauptbahnhof im Dezember 2016, als er auf dem Dach des Gebäudes ein Banner befestigt. In einem inzwischen aus dem Web entfernten Video, das uns ebenfalls vorliegt, gibt er sich zusammen mit seinem Bruder Karl als Mitglied der Bewegung zu erkennen.

Brüder sitzen in Untersuchungshaft

“Die Aachener Ortsgruppe der ‘IB’ besteht weitgehend aus Mitgliedern, die aus der Neonaziszene stammen und weiterhin eng mit dieser verbunden sind”, heißt es in der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Verena Schäffer. Eine wie auch immer geartete Einbindung in die Münsteraner Strukturen der Organisation konnten wir nicht nachweisen. Im Rahmen unserer Undercover-Recherche trafen wir M. nicht an.

Die Erwähnung auf die Verbindungen zur Neonazi-Szene in Aachen ist indes besondere Beachtung zu schenken. Derzeit stehen M.s Brüder Karl und Timm in der Kaiserstadt vor Gericht. Der Vorwurf: Sie sollen zusammen mit drei weiteren Angeklagten Amphetamine, Marihuana und Ecstasy im Wert von 300.000 Euro über das Darknet vertrieben haben. Auch M. musste vor Gericht erscheinen, verweigerte aber die Aussage. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des besagten Videos der Identitären Bewegung führte die Polizei eine Razzia durch, bei der Timm und Karl festgenommen wurden. Eine weitere, nicht namentlich bekannte Person, wurde zunächst in Gewahrsam genommen und dann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Robert M.,(2. v. l.) beim 1000-Kreuze-Marsch im vergangenen März. Ganz links: AfD-Nachwuchskader Alexander Leschik. (Foto: twitter.com/infozentrale)
Robert M. (hinten, 2. v. l.) beim 1000-Kreuze-Marsch im vergangenen März. Ganz links: AfD-Nachwuchskader Alexander Leschik, zugleich stellvertretender Sprecher des Stadtverbandes. (Foto: twitter.com/infozentrale)

Seit dem vergangenen Wintersemester jedenfalls wohnt M. im Haus der Burschenschaft Franconia an der Himmelreichallee. Diese Wahl dürfte nicht ganz zufällig gewesen sein. Die schlagende Verbindung ist immer noch Mitglied in dem Verband Deutsche Burschenschaft, den viele andere Studentenverbindungen im Laufe der Jahre im Streit verlassen haben. 2011 beispielsweise sorgte ein Disput um die Frage, ob ein Student mit chinesischen Eltern Mitglied einer Burschenschaft in Mannheim sein könne, für öffentliches Aufsehen. Als Kritikpunkt wurde die Abstammung des betroffenen Studenten angeführt.

Das Problem gab es bei M., dessen Vater ein aus Siebenbürgen stammender Neonazi ist, hingegen nicht. Die Burschenschaft Franconia selbst wollte zu dem Hintergrund ihres neuen Mitbewohners keine Stellung beziehen. Dass sie auch mit rechtsextremen Positionen keine Probleme hat, erklärt sie auf ihrer Facebook-Seite:

“Als Burschenschaft haben wir einen politischen Anspruch und erwarten auch von unseren Bundesbrüdern, dass sie als Einzelpersonen lernen, politisch zu denken, zu argumentieren und Position zu beziehen. Wir schreiben ihnen nicht vor, ob sie sich der SPD, CDU, FDP, AfD oder einem nicht-parlamentarischen Verein zugehörig fühlen oder sich von ihm distanzieren sollen. Solange sie ihre Position in akademischer Weise vertreten können, sind sie frei in ihrer Wahl.”

Illustre Gäste bei der Burschenschaft Franconia

Die Verbreitung politischer Ansichten muss demnach nur den Ansprüchen einer akademischen Fingerübung genügen? Diese Haltung sorgte bereits 2004 für Ärger, als die Burschenschaft ein führendes Mitglied der NPD-Jugendorganisation JN aufnahm. “Nicht nur die Personalie Robert M. zeigt, dass die Münsterer Burschenschaft Franconia keinerlei Berührungsängste zur neofaschistischen Identitären Bewegung hat”, erklärt Merle Linkowski, Sprecherin der Antifaschistischen Linken Münster. “Vielmehr exisitiert auch eine Schnittmenge der politischen Überzeugungen und ideologischen Positionen wie dem von beiden Gruppierungen vertretenen völkischen Nationalismus.”

Tatsächlich ist ein Blick auf die Bewertungen des Facebook-Profils der Franconia in diesem Zusammenhang aufschlussreich. Hier hinterließ der neurechte Nachwuchs von Alexander Markovics (Mitbegründer der Identitären Bewegung Österreich) bis Dorian Schubert (Kontrakultur Halle) anerkennende Grüße.


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