Rathaus

Sanierung Servatiiplatz: Die Stadt zahlt alles, Deilmann nichts

Die Sanierung am Servatiiplatz muss die Stadt allein tragen.

Es tut sich was am Servatiiplatz: Die Stadt will die heruntergekommene Platzfläche am Iduna-Hochhaus im nächsten Jahr grundlegend sanieren. Für die Kosten kommt die Kommune allen auf – Anlieger und Immobilien-Investor Andreas Deilmann ist fein raus.  

Lose Platten, notdürftige Flicken auf dem Pflaster: Der Servatiiplatz rund um das Iduna-Hochhaus und dem angrenzenden Pavillon ist in einem schlechten Zustand. “Eine Komplettsanierung ist unausweichlich und muss dringend ausgeführt werden”, schreibt die Stadtverwaltung in einer Vorlage für die Bezirksvertretung Mitte. Die Verkehrssicherheit sei “kaum noch gewährleistet”. Schon im kommenden Jahr will die Stadt die Pflasterung  grundlegend erneuern und vier Brunnen installieren. Das alles soll in Anlehnung an die ursprüngliche Planung erfolgen. Kostenpunkt: 712.000 Euro.

Dass am Servatiiplatz Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig. Das inzwischen denkmalgeschützte Ensemble entstand zwischen 1959 und 1961. Erst 1995 brachten die Eigentümer die bröckelnde Fassade des Iduna-Hochhauses wieder auf Vordermann. Doch auf der davor liegenden, im Besitz der Stadt befindlichen Fläche tat sich nichts. Dabei hatten die Stadtväter 1959 mit den damaligen Bauherren vetraglich vereinbart, dass sie für den Erhalt des Platzes aufkommen.

 


Info: Iduna-Haus am Servatiiplatz

In die übliche Bebauung in Münster will das Iduna-Haus nicht so recht passen. Aber das war dem renommierten Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer 1959/61 nicht so wichtig. Ganz im Gegenteil: Er wollte ein Gebäude mit bewusst unangepasstem Design und ließ sich bei den Planungen weniger vom Prinzipalmarkt als von den Hochhausschluchten in den Vereinigten Staaten inspirieren.

Eine Besonderheit ist die Bauweise, denn das Iduna-Hochhaus ist das erste seiner Art in Deutschland in Stahlbetonskelettbauweise mit Vorhangfassade gewesen. Die Fassade ist sozusagen auf einem Skelett aufgehängt worden – ein wenig so, als wenn man eine Jacke auf einen Garderobenständer hängt.

Ensemble am Servatiiplatz: das Iduna-Hochhaus mit Pavillon.
Ensemble am Servatiiplatz: das Iduna-Hochhaus mit Pavillon.

 

Das wiederum sollte sich vor knapp fünf Jahren ändern. Seinerzeit kaufte der Münsteraner Architekt und Immobilien-Investor Andreas Deilmann das Iduna-Hochhaus für einen “zweistelligen Millionenbetrag”. Die Stadt vertrat zwischenzeitlich die Auffassung, dass Deilmann nun auch für den Vorplatz zuständig wäre. Das ist jedoch nicht der Fall, wie eine juristische Prüfung ergeben hat.

1959 schlossen die Verwaltungsmitarbeiter mit dem Bauherrn einen entsprechenden Vertrag zu Bau und Instandhaltung des Platzes. Sie ließen dies aber nicht für die folgenden Besitzer festschreiben, erklärte die Pressestelle der Stadt: “Eine etwaige Sicherung der käuferseitigen Verpflichtung durch Eintragung im Grundbuch oder Weitergabeverpflichtung auf nachfolgende Eigentümer wurde nicht vereinbart.” Eine Belangung nach dem Kommunalabgabengesetz NRW sei ebenfalls nicht möglich.

So bleibt die Stadt allein auf den Kosten sitzen. Zusätzlich zur Herrichtung des Servatiiplatz kostet die Unterhaltung 41.350 Euro pro Jahr.


Die besonderen Geschichten aus Münster per Mail ins Postfach! Wir informieren Dich mit unserem Nachrichtendienst, wenn ein neuer Artikel online geht. Hier abonnieren:

Unser Newsletter enthält Informationen zu unseren journalistischen Produkten. Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung, erhaltet ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Kommentar

  1. Typisch! Ich frage mich ob das überall so ist das die die das Geld haben noch alles geschenkt bekommen? Wahrscheinlich schon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.