Stadtgeschichte(n)

Umstrittene Burschenschaft: Ärger für die Franconia

Das Verbindungshaus der Burschenschaft Franconia an der Himmelreichallee.

Das Verbindungshaus der Burschenschaft Franconia an der Himmelreichallee.

Die Burschenschaft Franconia sorgt abermals für Schlagzeilen: Das Studierendenparlament hat sich einstimming dafür ausgesprochen, ihr den Status als Hochschulgruppe zu entziehen. Jetzt muss das Rektorat entscheiden, ob es der Empfehlung nachkommt. Ein erstes Mitglied hat derweil Konsequenzen gezogen. 

Es ist ein außergewöhnlicher Beschluss, den das Studierendenparlament in der vergangenen Woche getroffen hat. Die Streichung einer Hochschulgruppe aus dem Matrikel hat Seltenheitswert und noch seltener kommt es vor, dass dieser Beschluss dann auch noch einstimmig gefällt wird. Aber es ging in der 18. Sitzung des StuPa nicht um irgendwen, sondern um die nicht unumstrittene Burschenschaft Franconia. Das Gremium forderte das Rektorat auf, die Verbindung “aufgrund ihres undistanzierten Verhältnisses zur Identitären Bewegung und anderen Gruppierungen der Neuen Rechten und ihrer Positionen” aus der Liste der Hochschulgruppen zu streichen.

“Das Thema gärte schon länger”, sagt Jan Seemann, der für die Hochschulgruppe CampusGrün im StuPa sitzt und den Antrag eingebracht hat. Den Beschlussvorschlag begründete er auch mit dem Gebahren der Franconia auf Facebook, das, nun ja, keiner weiteren Erläuterung bedarf. Nicht zuletzt hatte die Fachschaft Soziologie auch unter Verweis auf unsere Berichterstattung ein Dossier erstellt, in dem die Verbindungen der Burschenschaft in das rechtsextreme Milieu dargelegt werden.

Ob die Franconia tatsächlich aus dem Matrikel entfernt wird, ist zunächst Sache des Rektorats. Der Beschluss des StuPa hat keine bindende Wirkung. Es ist möglich, einer Hochschulgruppe die Anerkennung zu entziehen, “wenn die Betätigung der Vereinigung das Vertrauensverhältnis zur Universität in einem solchen Maße beeinträchtigt, dass ein Verbleib der Vereinigung in der Liste für die Universität unzumutbar ist”, heißt es bei der Universität. “Die Verwaltung wird die erhobenen Vorwürfe nun prüfen und dann entscheiden, ob sie in diesem Sinne aktiv wird.”

Erster Austritt bei der Franconia

“Wir wollen durch den öffentlichen Druck erreichen, dass das Rektorat ernsthaft prüft”, erklärt Seemann und schränkt zugleich ein: “Ich denke, dass das Verfahren vollkommen offen und rechtlich anspruchsvoll ist.” Die tatsächlichen Auswirkungen einer Streichung wären ohnehin überschaubar. So bestünde in einem solchen Fall kein unkomplizierter Zugriff mehr auf die Räumlichkeiten der Universität.

Ohnehin gehe es um die Signalwirkung eines solchen Schritts. Ein Francone hat die Burschenschaft bereits im Vorfeld der StuPa-Abstimmung verlassen, uns vorliegende Informationen über einen weiteren Austritt sind nicht bestätigt. Zudem soll es interne Diskussionen über die Außenwirkung gegeben haben. Die Franconia selbst ließ eine Anfrage auf Stellungnahme zu den Vorgängen unbeantwortet.


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