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Nach Ausgliederung: Stadt prüft Stadionmiete für Preußen Münster

Die Stadt prüft, ob Preußen Münster künftig Stadionmiete zahlen muss.

Schlechte Nachrichten für den SC Preußen Münster: Nach der erfolgten Ausgliederung des Lizenzspielerbetriebs nimmt die Stadt Münster den Überlassungsvertrag für das Preußenstadion unter die Lupe. Konnte der Verein bislang kostenlos im Preußenstadion spielen, könnte für die Kommanditgesellschaft auf Aktien Stadionmiete fällig werden.

Derzeit zahlen die Preußen keine Miete für ihre aktuelle Spielstätte. Das könnte sich aber in Zukunft ändern: “Der zwischen der Stadt Münster und dem SC Preußen Münster geschlossene Überlassungsvertrag für das kommunale Stadion Hammer Straße wird aktuell durch die Verwaltung geprüft”, teilte das zuständige Sportamt jetzt auf Anfrage mit. “Gleiches gilt für die Mietfreiheit der Stadionnutzung.” Wann die Prüfung abgeschlossen sei, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, erklärte das Amt weiter. Der Verein wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellung nehmen.

Die Nachricht an sich aber birgt möglicherweise Sprengstoff für die Preußen, die ein Stadion vor den Toren der Stadt bauen wollen. Bis zum ersten Anpfiff – wo auch immer – dürften aber noch einige Jahre ins Land gehen. Solange sind die Adlerträger auf die Antik-Arena in Berg Fidel angewiesen. Deren Nutzung ist in dem zwischen Preußen Münster und der Stadt geschlossenen Überlassungsvertrag von 2009, der den Wiedertäufern vorliegt, geregelt. Dort steht unter §4 Absatz 1:

“Der Vertragsgegenstand wird entgeltfrei zur Nutzung (…) überlassen.”

Außerdem beteiligt sich die Stadt “an den Gesamtkosten für Betrieb und die Unterhaltung des Vertragsgegenstandes” mit jährlich 167.187 Euro. Im haushaltsplan für 2017 sind rund 150.000 Euro angesetzt.

Dass sich die Stadt den Kontrakt überhaupt anschaut, hat womöglich mit der Ausgliederung des Spielbetriebs der ersten Mannschaft zu tun. So ist der Nutzer des Preußenstadions nun – zumindest in einem gewissen Umfang – die KGaA, in der der Lizenzspielerbetrieb gebündelt ist. Der Vertrag aber wurde mir dem Verein geschlossen.

Verdeckte Subventionen für Preußen Münster?

Und noch ein zweiter Punkt wirft Fragen auf: Preußen-Präses Christoph Strässer hatte auf der Informationsveranstaltung im Uferlos vor einem knappen Jahr selbst von einer “Professionalisierung” gesprochen, die sich nun unter anderem in der Ausgliederung in eine Kommanditgesellschaft manifestiert. Der Status als eingetragener Verein sei angesichts des wirtschaftlichen Konstruktes mit einem Gesamtetat von 7,43 Mio. Euro, davon für die Lizenzspielerabteilung 3,65 Mio. Euro, gefährdet – hieß es seinerzeit.

Finanzielle Unterstützung für einen Verein, der Breitensport ermöglicht, ist aber etwas anderes als Zuwendungen für einen unternehmerisch agierenden Lizenzspielerbetrieb, bei dem die Angestellten üppige Summen einstreichen. Die Stadionmiete inklusive Nebenkosten, die der SCP nicht zahlen muss, ist im Haushaltsplan der Stadt für 2017 auf Seite 322 mit 628.560 Euro veranschlagt. Wenn private Gruppen hingegen eine Sporthalle nutzen, müssen sie Gebühren entrichten. “Vieles spricht dafür, dass es sich um Profi- und nicht um Breitensport handelt”, erklärt Markus Berkenkopf vom Bund der Steurerzahler NRW. “Dann ist eine Beteiligung von Preußen Münster an den Kosten nur recht und billig.”

Dies gelte auch in Hinblick auf das geplante Investorenmodell. Über die Veräußerung der Kommandtkapitalanteile an der KGaA will Preußen Münster erklärtermaßen fünf Mio. Euro einnehmen. “Wenn man auf der einen Seite Geld einsammelt, um damit den Kader zu verstärken, ist eine Subventionierung durch die Stadt auf der anderen Seite fragwürdig”, sagt Berkenkopf weiter. “Darüber sollte man zumindest öffentlich diskutieren.”

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