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Schaumburgstraße: Wohnungslose nicht willkommen

Die Stadt will Wohnungslose in dieser Unterkunft an der Joahnniterstraße unterbringen.. Die Bewohner der Benachbarten Schaumburgstraße beschweren sich.

Die Bewohner in dem Quartier zwischen Johanniter- und Schaumburgstraße gehen auf die Barrikaden: Sie protestieren gegen die geplante Ansiedlung von Wohnungslosen. Die neuen Nachbarn, so ihre Befürchtung, könnten die sozialen Probleme verschärfen.

Viel Wut hat sich aufgestaut, das ist den 13 Anwohnern anzumerken. Sie sind am Mittwochabend in die Räumlichkeiten der AIDS-Hilfe an der Schaumburgstraße gekommen, um sich den Frust von der Seele zu reden. “Irgendwann ist es mal gut”, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen “nicht im Internet” lesen will. “Uns reicht es”, echauffiert sich eine andere. “Augenwischerei von Politik und Verwaltung” beklagen sie.

Der Grund für ihren Zorn liegt auf der anderen Seite der Stadt, an der Trauttmansdorffstraße. Den dortigen Komplex, der momentan von Wohnungslosen bewohnt wird, will die Stadt aufgeben. Die Einwohner will die Verwaltung auf das Stadtgebiet verteilen. Eine der dafür vorgesehenen Einrichtungen ist das leerstehende Gebäude an der Johanniterstraße (siehe Foto), in das um den Jahreswechsel 34 Wohnungslose einziehen sollen.

Den Bewohnern der Siedlung im Süden eilt ein Ruf voraus, der ihren künftigen Nachbarn die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. In der entsprechenden, unlängst beschlossenen Ratsvorlage ist unter anderem von regelmäßigen Polizeieinsätzen die Rede – eine Situation, die so nicht mehr zutreffend ist (wir berichteten). Gleichwohl handelt es sich um keine einfache Klientel. Arbeits- und Perspektivlosigkeit sind die größten Probleme der Menschen, von denen viele während der Balkankriege in den 90er Jahren nach Deutschland geflohen sind. In den Unterkünften für Wohnungslose sind sie letztlicht gestrandet.

Sie in die Stadt zu holen, werde auch ihre Integrationsperspektive verbessen, sagt Grünen-Ratsherr Christoph Kattentidt, der das Treffen moderierte. Er kritisiert die Ansiedlung der Menschen in einem Industriegebiet: “Damals hat man einen riesigen Fehler begangen. So ist Integration nicht möglich.”

Verdrängung vom Hauptbahnhof

Grundsätzlich, das ist den Anwohnern wichtig, habe man kein Problem mit den Menschen. Mit den Geflüchteten, die in der benachbarten Einrichtung leben, gibt es ihren Angaben nach ein gutes Miteinander. Nur sehen sie jetzt ihre Belastungsgrenze erreicht: “Wir wollen hier keine Konzentration! Aber jetzt bekommen wir die Menschen in einer sozialen Problemlage oben drauf.” Bereits vor vier Jahren hatten sich die Anwohner – seinerzeit erfolgreich – gegen die Ansiedlung von Obdachlosen gewehrt.

Aber seither? “Es ist merklich schlechter geworden in den letzten Jahren.” Die Lebensqualität sei gesunken, die Zahl der Probleme gestiegen.  In dem Quartier rund um die Schaumburgstraße macht sich die Verdrängung durch die Baumaßnahmen hinter dem Bahnhof immer stärker bemerkbar. Drogensüchtige und ihre Hinterlassenschaften, Trinker, Pöbeleien. Erst kürzlich hat es eine tätliche Auseinandersetzung gegeben. “Gerade in den letzten Wochen ist es richtig heftig geworden.”

Die Verwaltung hat derweil den Einsatz von Sicherheitsdiensten in Aussicht gestellt. Ratsherr Kattentidt will schauen, ob in dieser Richtung nicht noch mehr Mittel im Haushalt verankert werden könnten. Zufriedenstellend finden die Anwohner das augenscheinlich nicht. Sie wollen, dass die Wohnungslosen gar nicht erst zu ihnen ins Viertel kommen.


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