Klartext

Neuer Hauptbahnhof: Du trägst keine Liebe in Dir

Volles Haus: Der neue Hauptbahnhof in Münster lockte bei der Eröffnung zahlreiche Neugierige an.

Austauschbar, kaum lokale Geschäfte, fast nur Fressbuden: In den allgemeinen Freudentaumel über die Hauptbahnhof-Eröffnung mischten sich auch kritische Stimmen. Letztlich müssen wir uns mit den durchaus vorhandenen Schwächen des Gebäudes arrangieren – aber in Herz schließen werden wir den Hbf wohl nicht.

Es gebe drei markante Gebäude in der Stadt, sagte OB Markus Lewe bei der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs. “Die Kirchen, den Dom, das Rathaus und den Bahnhof.” Da könnte man sich jetzt fragen, warum die Stadt sich von der Bahn dann so einen architektonischen Fremdkörper aus Glas und Beton an ihr Entrée setzen lässt. Dafür gibt es eine ganz einfache Antwort: Die Stadt hat da nicht so wahnsinnig viel zu melden und ist am Ende einfach froh, dass sie jetzt überhaupt einen neuen Hauptbahnhof hat. So ganz passend zur Bundestagswahl, die besonders in dem Redebeitrag des Staatssekretärs aus Berlin durchschimmerte.

Letztlich ist es aber so, dass die Entscheidungen bei solchen Bahn-Angelegenheiten nicht in Münster gefällt werden. Die Stadt und die hiesigen Abgeordneten können Briefe schreiben, die Kommune darf fünf Mio. Euro beisteuern, aber für große Sonderwünsche an das Gebäude ist da kein Platz. Und vielleicht ist man jetzt einfach nur froh, dass eher funktionale Vorgängerbau in bestem 50er-Jahre-Stil endlich weg ist.

Jetzt haben wir einen beliebigen Hauptbahnhof mit beliebigen Geschäften vornehmlich aus dem gastronomischen Bereich – davon allein sechs mit Fokus auf Backwaren. Auch hier gilt: Die Bahn hat höchstwahrscheinlich irgendein vertragliches Rahmenwerk mit bestimmten Ketten, die dann zuerst zum Zug kommen. Man muss fast noch froh darüber sein, dass der Stadtrat Klamottenläden verhindert hat.

Letztlich ist es doch so: Münster ist die lebenswerteste Stadt der Welt, die Stadt des Westfälischen Friedens, Stadt der Lebensart und der Wissenschaften und so weiter und so fort. Das müssen die Leute, die sich jetzt “Ach, halt doch’s Maul und sei glücklich!” denken, eben auch bedenken. Der Anspruch einer Stadt wie Münster an ihr Entrée muss mehr sein als verglaste 08/15-Fressmeile mit Gleisanschluss, von der man auf den ersten Blick nicht weiß, ob man sich in Essen oder Köln befindet.

Aber jetzt steht das Ding. Wir werden damit zu leben lernen (müssen). Doch Liebe wird das nimmer.