Münster

Lieferservice Foodora: Pinke Rad-Kuriere mit Zalando-Connection

Foodora-Fahrer Kjell Schreiber in seinem Arbeitsoutfit.

Pinke Uniform, pinker Helm, pinke Rucksäcke: Die fahrradfahrenden Kuriere des Online-Lieferdienstes Foodora sorgen für Aufsehen und gehören doch schon fast zum Stadtbild. Dabei handelt es sich aber nicht um einen gewöhnlichen Pizza-Service.

Kjell Schreiber (Bild) ist einer von ihnen. Und kaum zu übersehen in seinem pinken Dress, das ebenso wie die obligatorische Leeze zu seinem Arbeitsgerät zählt. Die meiste Zeit verbringt der 23-Jährige mit dem Studium von Philosophie, Kultur- und Sozialanthropologie, doch einen Teil seiner Freizeit widmet er dem Broterwerb. Und der dreht sich darum, andere Menschen satt zu machen: „Ich habe mein Hobby Radfahren zum Nebenberuf gemacht“, erzählt Kjell, der sich seit knapp zehn Jahren für das Radfahren von BMX bis Downhill begeistert.

Seine Begeisterung teilen die rund 80 Münsteraner Fahrer des Online-Lieferdienstes Foodora, der seit letztem Oktober auch in Münster vertreten ist. Kein normaler Pizzaservice, darauf legt man bei dem Jungunternehmen großen Wert: „Jeder Kunde soll zu Hause sein Lieblingsessen genießen können, ohne sich hinaus bewegen zu müssen oder von einem bestimmten Lieferservice abhängig zu sein“, erklärt Fabian Krapp, der bei Foodora für die Aktivitäten in Nordwestdeutschland zuständig ist. Das Startup ist seit seiner Gründung vor zweieinhalb Jahren mächtig auf Expansionskurs: Inzwischen ist das Unternehmen in über 50 Städten in zehn Ländern von Australien bis Finnland vertreten – Tendenz weiterhin steigend.

Lieferung in einer halben Stunde
Die Idee hinter Foodora: Es handelt sich um keinen gewöhnlichen Lieferdienst, der von einem einzelnen Restaurant betrieben wird. Im Gegensatz zu Portalen wie Lieferheld werden Bestellungen auch nicht ausschließlich vermittelt. „Mit der Foodora-Seite stellen wir einerseits die Plattform und das dazugehörige Marketing“, sagt Krapp. „Im Gegensatz zur Konkurrenz bieten wir aber auch die Logistik dahinter, also den gesamten Prozess von der Bestellung bis zur Lieferung.“

Wer also als Gastronom keine eigene Lieferflotte unterhalten möchte, kann die Dienste von Foodora in Anspruch nehmen. Gegen eine Kommission, versteht sich, die – so ist in der Presse zu lesen – bis zu 30 Prozent des Bestellwertes liegen soll. Der Kunde zahlt nochmals eine Liefergebühr je Bestellung. Alles läuft online, Bares ist allenfalls beim Trinkgeld für die Fahrer im Spiel.


Info Foodora: Aus dem Stall der Zalando-Macher
Foodora wurde 2015 gegründet und selbst gehört zu dem börsennotierten Konzern Delivery Hero. Hieran sind auch die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer beteiligt, die mit ihren Investments in Unternehmen wie Zalando Aufsehen erregten. Einziger Konkurrent von Foodora ist die britische Deliveroo, der momentan auch auf dem deutschen Markt angreift – in Münster aber noch nicht vertreten ist.


Sobald eine Bestellung aufgegeben wird, erscheint eine Meldung im jeweiligen Restaurant. Alle Foodora-Partner haben ein spezielles Tablet vor Ort, über das sie die Order erhalten mit konkreten Vorgaben, wann die Mahlzeit fertig sein muss und wann sie abgeholt wird. Zeitgleich erhält der Fahrer die entsprechenden Informationen über die Foodora-App auf seinem Smartphone. Ein Algorithmus zieht im Hintergrund die Fäden als virtueller Disponent, sagt Krapp: „Das Versprechen ist die Lieferung innerhalb einer halben Stunde, das halten wir im Schnitt ein. Gerade in Münster liegen wir häufig darunter.“

Andersherum bedeutet das auch, dass man von Kinderhaus oder Gievenbeck aus nicht bei McDonald’s oder bei La Torre oder den anderen über 60 Restaurants bestellen kann. Foodora konzentriert die Liefergebiete auf die Innenstadt. Der Lieferradius betrage zwei Kilometer, sagt Krapp, damit das Essen nur wenige Minuten im Rucksack sei.

Münster wächst weiter
Dieser Rucksack mit Thermotasche und Schaumstoffmatten befindet sich auf dem Rücken von Leuten wie Kjell, die das Rückgrat des Foodora-Geschäfts sind. 13 bis 20 Stunden macht er pro Woche, andere Fahrer arbeiten in Vollzeit, von Jung bis Alt ist alles dabei. „Man sitzt eigentlich durchgehend auf dem Rad. Mal ist mehr, mal ist weniger los, aber man hat eigentlich immer Aufträge“, berichtet er aus seinen ersten vier Monaten als Fahrer. Abends sei generell viel los, besonders sonntags, da gebe es dann auch mehr Trinkgeld.

Die Münsteraner selbst reagieren Kjells Erfahrung nach neugierig auf die Fahrer und ihre auffälligen Outfits: „Die Leute sprechen einen häufiger an. Sie kennen das nicht und wollen wissen, um was für ein Unternehmen es sich handelt.“ Also noch Luft nach oben für Foodora in Münster? Krapp ist mit der Entwicklung in der Stadt jedenfalls zufrieden: „Münster wächst weiterhin, die Orderzahlen steigen stetig.“ Weitere Fahrer werden übrigens händeringend gesucht.