Münster

Hausbesetzung am Köhlweg – Bima will Räumung

Hausbesetzung am Köhlweg

Gemeinschaftliche Nutzung statt Leerstand: Die Besetzer zweier Häuser am Köhlweg in Lütkenbeck wollen die Immobilien als soziales Zentrum nutzen. Doch die Bundesanstalt für Immobilien als Eigentümerin der beiden Britenhäuser hat etwas dagegen. Sie will eine schnellstmögliche Räumung durch die Polizei.

Seit Ostersonntag ist wieder Leben in den beiden Häusern am Köhlweg 17 und 19. Es wird gemeinsam gegessen, gelacht, musiziert. Einen “Freiheitsraum” wollen sie hier schaffen, die neuen Bewohner der Immobilien. “Die Menschen sollen sie nutzen, wie sie wollen”, erklärt Sorel, die zusammen mit ihren Mitstreitern die Vision eines sozialen Zentrums Realität werden lassen will. So etwas habe es schon gegeben, soch das vorherige Gemeinschaftshaus im Viertel sei geschlossen worden.

Tatsächlich hat sich in Lütkenbeck im Schatten des Gasometers im letzten halben Jahr einiges getan. Die beiden und zahlreiche weitere Immobilien in dem Viertel stehen bzw. standen über ein halbes Jahr leer. Das Studentenwerk benötigte die 24 angemieteten Häuser am Köhlweg nicht mehr und gab sie im September 2016 an den Besitzer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), zurück. Begründung laut Bima: “teilweise weggefallener Bedarf”. Wie eine solche Situation angesichts der grassierenden Wohnungsnot in Münster entstehen kann, ist Gegenstand einer laufenden Anfrage an das Studentenwerk. Am Dienstagbend war es nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Update vom 20.04.:
Achim Wiese, Geschäftsführer des Studentenwerks, widersprach der Darstellung der Bima im Gespräch mit unserer Redaktion. Die beiden besetzten Häuser gehörten zu acht Immobilien, die das Studentenwerk an die Bima zurückgegeben habe, weil in einem schlechten Zustand seien. “Hier muss saniert werden, doch die Bima ist nicht bereit, diese Arbeiten durchzuführen”, erklärte Wiese am Donnerstag. Das Studentenwerk dürfe und wolle kein Geld in die fälligen Sanierungen investieren – die Immobilien befinden sich schließlich nicht in seinem Besitz. Derzeit hat das Studentenwerk in dem Viertel nach Aussage von Wiese noch 58 weitere Häuser angemietet. Hier laufen die Mietverträge bis Ende März 2018.

Hausbesetzung am Köhlweg: Soziales Zentrum gefordert.
Hausbesetzung am Köhlweg: Soziales Zentrum gefordert.

Die Bima wiederum möchte die recht gut erhaltenen Britenhäuser nun – und das ist letztlich ihre originäre Aufgabe – sukzessive verkaufen. Im laufenden Jahr sollen 36 Wohneinheiten veräußert werden. Das kritisieren die Besetzer: “Hier sollen wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden ohne Rücksicht auf Einzelschicksale”, sagt Yassem, einer der neuen Bewohner. Er verweist auf die zahlreichen Flüchtlinge, die in den anderen Häusern der Siedlung untergebracht wurden und seiner Darstellung nach in Heime verlegt würden, sobald die Immobilien nicht mehr zur Verfügung stünden. Die Studenten, die in den anderen Häusern untergekommen sind, müssten sich Anfang 2018 eine neue Bleibe suchen.”Das ist eine massive Verdrängung hier”, fügt Sorel an.

Bima will Hausbesetzung schnellstmöglich beenden
Bei der Behörde sieht man das naturgemäß anders: “Die Bima wird heute noch Strafantrag stellen und die Objekte von der Polizei so schnell wie möglich räumen lassen”, erklärte sie am Dienstagnachmittag. Um künftige Besetzungen zu vermeiden, will die Bima die Bewachung durch einen Sicherheitsdienst “erheblich” ausweiten und Hauswächter nicht nur in Lütkenbeck, sondern in allen Britenhäusern der Stadt einziehen lassen. So sollen weitere Besetzungen verhindert werden.

Die neuen Nachbarn am Köhlweg sehen das entspannt, ihr Zeithorizont sei offen. Jetzt wird erstmal ein Programm mit Veranstaltungen und Workshops auf die Beine gestellt. Was die Zukunft bringt? Abwarten. “Manche Projekte in Deutschland sind offen geblieben, es hat viele erfolgreiche Besetzungen gegeben”, sagt Torch – und räumt ein: “Nur in Münster nicht.”