Münster

Hauptbahnhof: Polizei-Umfrage wirft Fragen auf

Der Hauptbahnhof in Münster: Kriminalitäts-Moloch oder normaler Verkehrsknotenpunkt?

Münsters Hauptbahnhof: Kriminalitäts-Moloch oder ganz normaler Verkehrsknotenpunkt einer Großstadt? Für Teile der Presse und die Law-and-Order-Fraktion scheint die Antwort auf diese Frage klar. Doch die Umfrage der Polizei aus dem Frühjahr zeichnet ein differenzierteres Bild – das aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Unser Hauptbahnhof und sein Umfeld sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Krimininalitätsschwerpunkt, Angstraum, das oftmals angeführte, “subjektive Sicherheitsgefühl”. Die Schlagwörter sind in der öffentlichen Diskussion schnell gesetzt – ebenso schnell ist die Politik alarmiert. Seit Jahresbeginn ist das Thema nun auch bei der Polizei ganz oben auf der Agenda. Sprich: Ein neues Behördenziel lautet “Optimierung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in ausgewählten Bereichen rund um den Hauptbahnhof”.

In einem ersten Schritt hat die Polizei eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Hierfür haben die Ordnungshüter Pendler, Arbeitnehmer, Geschäftsleute und Nutzer der sozialen Einrichtungen befragt. 2.410 Menschen machten mit. Das Ergebnis: “Nur zur internen Verwendung”, hieß es bei der Pressestelle der Polizei. Nach einem Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz musste die Behörde uns die Daten jedoch aushändigen.

Der Blick in den Ergebnisbericht offfenbart auch die Gründe für die kommunikative Zurückhaltung am Friesenring. Auf die Frage nach dem Befinden in und um den Hauptbahnhof sagten 58 Prozent der Teilnehmer, dass sie sich “sehr sicher” bis “eher sicher” fühlen. Genau die Hälfte wiederum erklärt, dass die Furcht, Opfer einer Straftat zu werden, “eher gering” bis “sehr gering” ist.

Hierzu schreiben die Autoren: “Das Ergebnis der Fragen 1 und 2 zeigt, dass das gemessene Sicherheitsgefühl nicht mit den Eindrücken, die aus der Berichterstattung des vergangenen Jahres entstanden sind, übereinstimmen.” Viel mehr decken sich die Ergebnisse mit einer anderen Erhebung aus dem vergangenen Jahr – aber nicht mit den Bildern, die an bestimmten Stellen immer wieder gezeichnet werden.

Kriminalität am Hauptbahnhof rückläufig

Nach den Gründen für ein Unwohlsein im Bahnhofsumfeld gefragt, gaben viele Befragte den Aufenthalt drogenabhängiger und wohnungsloser Personen an. Dahinter folgten Vandalismus und schmutzige Bürgersteige. “Durch die Freitextfelder relativierten viele Befragte ihre Angaben, da trotz des unwohlen Gefühls Verständnis für die Wichtigkeit eines Aufenthaltsortes für Wohnungslose und Suchterkrankte vorhanden ist”, heißt es im Ergebnisbericht weiter.

Mit der Präsenz der Polizei zeigte sich eine knappe Mehrheit “zufrieden” oder “eher zufrieden”. Nur in den Abend- und Nachtstunden wünschten die Befragten eine stärkere Präsenz. Diese nannten 91 Prozent “wichtig” oder “eher wichtig”.

Die Kriminalität in und im Umfeld des Hauptbahnhofs übrigens ist rückläufig, auch wenn es sich hier um einen Schwerpunkt handelt. Dies erklärte beispielsweise Jürgen Tölle aus dem Leitungsstab der Polizei auf einer Veranstaltung des Arbeitskreises Innere Sicherheit der CDU im vergangenen Mai. Warum dann die Aufstockung des Personals um sechs Vollzeitstellen beim Ordnungsamt – speziell für den Einsatz rund um den Hauptbahnhof? “Zur Beruhigung”, erklärte CDU-Ratsmitglied Stefan Leschniok seinerzeit. Kostenpunkt: 371.000 Euro.


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Ein Kommentar

  1. “Auf die Frage nach dem Befinden in und um den Hauptbahnhof sagten 58 Prozent der Teilnehmer, dass sie sich “sehr sicher” bis “eher sicher” fühlen. Genau die Hälfte wiederum erklärt, dass die Furcht, Opfer einer Straftat zu werden, “eher gering” bis “sehr gering” ist.”

    Oh, wie viele Antwortkategorien gab es denn? Im Umkehrschluss hieße das schließlich, dass 42 Prozent sich weniger sicher als “eher sicher” fühlen. Mit einer so hohen Zahl von Menschen, die sich nicht sicher fühlen, hätte ich nicht gerechnet. Ich kann nicht sagen, dass ich mich am Bahnhof unsicher fühlen würde.

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