Münster

Glücksspiel und guter Zweck: Die merkwürdige Westlotto-Werbekampagne

Tippschein von Westlotto (Symbolbild)

Tippschein von Westlotto (Symbolbild) 

Spiele Lotto und tue Gutes dabei: Die aktuelle Werbekampagne von Westlotto betont die positiven Seiten des Glücksspiels. Problematisch daran ist, dass das Staatsunternehmen an dieser Stelle mit Halbwahrheiten arbeitet.  

Sechs aus 49. Spiel 77. Euro Jackpot. Wer das große Los zieht oder die richtigen Zahlen tippt, braucht vielleicht nie wieder zu arbeiten und kann sich auf ein entspanntes Leben freuen. Zumindest auf eines ohne materielle Sorgen. Mit diesem Glücksversprechen verdienen staatliche Unternehmen wie Westlotto seit Jahrzehnten eine Menge Geld, von dem ein nicht unbeträchtlicher Teil bei Vater Staat landet. Im klassischen Lotto etwa wird nur die Hälfte der Einsätze an die Gewinner ausgeschüttet, die andere Hälfte wird anderen Bestimmungen zugeführt.

An dieser Stelle darf nicht vergessen werden: Wir haben es hier mit Glücksspiel zu tun. Rund 500.000 Deutsche haben nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. Auch deswegen machen die Unternehmen mit den von ihnen erwirtschafteten Gewinnen etwas Gutes – sozusagen als Kompensation. Und darüber spricht Westlotto derzeit in Form einer Werbekampagne:

Westlotto gibt 630 Mio. Euro für den guten Zweck - wobei über die Definition von "guter Zweck" gestritten werden darf. (Foto: Screenshot Facebook)
Westlotto gibt 630 Mio. Euro für den guten Zweck – stimmt allerdings nicht ganz. (Foto: Screenshot Facebook)

Das Problem an der Sache: Die besagten 630 Mio. Euro aus Lotteriesteuern und Konzessionsabgaben wandern in den Landeshaushalt. Aber nicht die komplette Summe ist zweckgebunden. Das ist nur bei 97,64 Mio. Euro der Fall, für den Rest gilt das Gesamtdeckungsprinzip. Sprich: Das Geld kommt in einen großen Topf, über den der Finanzminister verfügt – und was der damit macht, entspricht nicht immer dem allgemeingültigen Verständnis des guten Zwecks.

Aber schauen wir uns an, was Westlotto in der Werbung sonst noch erzählt:

Die besagte NRW-stiftung erhält 7,4 Mio. Euro, die Stiftung Umwelt und Entwicklung 2,8 Mio. Euro von Westlotto. Macht zusammen 1,6 Prozent. (Foto: Screesnhit Facebook)
Die besagte NRW-Stiftung erhält 7,4 Mio. Euro, die Stiftung Umwelt und Entwicklung 2,8 Mio. Euro von Westlotto. Macht zusammen 1,6 Prozent der 630 Mio. Euro, die an das Land gehen. (Foto: Screenshot Facebook)

 

An den Deutschen Olympischen Sportbund überweist Westlotto 4,5 Mio. Euro. (Foto: Screenshot Facebook)
An den Deutschen Olympischen Sportbund überweist Westlotto 4,5 Mio. Euro. (Foto: Screenshot Facebook)

 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bekommt 3,4 Mio. Euro, die Dombauvereine 2,9 Mio. Euro aus Münster. (Foto: Screenshot Facebook)
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bekommt 3,4 Mio. Euro, die Dombauvereine 2,9 Mio. Euro aus Münster. (Foto: Screenshot Facebook)

“Organisationen, Verbände und Vereine sind auf die Lotteriegelder angewiesen, um ihre wertvolle Arbeit für die Gesellschaft leisten zu können”, flötete Westlotto-Geschäftsführer Andreas Kötter in einer Sonderveröffentlichung in der “Münsterschen Zeitung”, die anlässlich der Kampagne gebucht worden war. Dass ein Unternehmen im Verhältnis relativ kleine Summen in der Außendarstellung betont, ist sachlich nicht falsch, aber eben auch nicht die ganze Wahrheit. Nur sollte ein staatliches Lotterieunternehmen an dieser Stelle nicht sensibler vorgehen? Gerade bei der werblichen Verbindung von Sportförderung, Natur- und Denkmalschutz mit Glücksspiel?

Auf unsere Anfrage hin erklärte Westlotto: “Als staatlicher Lotterieanbieter für das Land Nordrhein-Westfalen ist WestLotto insbesondere in der Werbung daran gelegen, unserer Verantwortung im Bereich Responsible Gaming / Verbraucherschutz nachzukommen und sich dabei auch bei der Werbung an die rechtlichen Bestimmungen zu halten. Aus diesem Grund werden Werbekampagnen von WestLotto im Rahmen einer Überprüfung der Werbekonzepte durch das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen kontrolliert, um eben genau den Anforderungen an Jugend-und Spielerschutz zu entsprechen. Auch die von Ihnen angesprochene Kampagne ist auf diesem Wege überprüft und genehmigt worden.”

Na, wenn das Innenministerium das genehmigt hat, geht das selbstverständlich in Ordnung. Noch eine Sache am Rande: Hilfeeinrichtungen für Spielsüchtige bekommen aus dem Riesen630-Mio.-Euro-Topf sogar 1,3 Mio. Euro ab. Zu dem Thema haben wir leider keine Anzeige gefunden.

Anmerkung: Wir haben die Verbraucherzentrale NRW um eine Stellungnahme gebeten. Hierzu sah man sich nicht in der Lage. Die Organisation wird zu einem wesentlichen Teil vom Land NRW gefördert.

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