Münster

Er gehört zu mir, mein Nachname an der Tür

Hochzeit: Immer mehr Frauen behalten ihren Nachnamen.

Hochzeit Symbolbild (Bild: Gades Photography via Unsplash)

Früher, ja früher war das eine klare Sache: Bei der Hochzeit nahm die Gattin den Nachnamen des Ehemanns an. Seit 1994 hingegen gibt es Wahlfreiheit – und davon machen immer mehr Frauen in Münster Gebrauch.

Für Ricarda Engelhardt stellte sich die Frage gar nicht. Sie wollte ihren Nachnamen auch nach ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr behalten: “Das ist mein Nachname und ich finde ihn schön. Da habe ich keinen Anlass gesehen, etwas zu ändern.” Der Name ihres inzwischen Angetrauten habe ihr zudem nicht gefallen. Ihr Mann hatte damit kein Problem, doch im Umfeld der 31-Jährigen gab es mitunter andere Erwartungen: “Ich bin einige Male ganz selbstverständlich gefragt worden, wie ich denn nun mit Nachnamen heiße.”

In die Namensfrage ist dabei schon vor einem knappen Vierteljahrhundert Bewegung gekommen. Seit 1994 heißt die Frau nicht mehr automatisch wie ihr Mann – der Gesetzgeber hatte kurz vor Beginn des 21. Jahrhunderts ein Einsehen. In der Bevölkerung aber setzt erst langsam ein Umdenken ein, wie aus den Daten des Standesamtes hervorgeht, die uns die Stadt Münster auf Anfrage vorlegte. Immer mehr Frauen behalten demnach ihren Geburtsnamen oder beide Partner ihren Namen (siehe Grafik). Wenngleich: Die klassische Variante ist immer die gängigste.

Bei diesem Trend handelt es sich nicht um eine Münsteraner Spezialität. Die “Rheinische Post”, von der wir die Idee zu dieser Geschichte geklaut haben, hat kürzlich von ähnlichen Entwicklungen in Bonn, Köln und Mönchengladbach berichtet. Nur in Düsseldorf bleiben die Zahlen stabil.

“Das Verständnis der Ehe hat sich in unserer Gesellschaft von einem Ernährer-/Hausfrau-Modell hin zu einem Lebensmodell gewandelt”, erklärte die Soziologin Katja Sabisch von der Ruhr-Universität Bochum dem Blatt. “Zwei eigenständige Persönlichkeiten gehen eine Verbindung ein, ohne ihre Identität aufzugeben.” Und der Name sei Ausdruck dieser Identität.

Mit dieser Aussage kann sich Ricarda Engelhardt ohne Weiteres identifizieren. Ihr Mann übrigens auch. Er ist der Autor dieses Artikels.


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