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Busbahnhof: Langfristlösung noch lange nicht in Sicht

Sorgenkind der Verwaltung: Der Busbahnhof an der Hafenstraße.

Der Fernbusverkehr in Deutschland boomt – auch in Münster. Nur bei der Infrastruktur am Busbahnhof an der Hafenstraße hapert es. Das fängt schon bei den elementarsten Dingen an. Änderung ist vorerst nicht in Sicht.

Wer das Vergnügen hat, zu fortgeschrittener Stunde am Busbahnhof in Münster zu stranden, erlebt unsere Stadt nicht gerade von ihrer schönsten Seite. Spärliche Beleuchtung, keine Sitzgelegenheiten, Toiletten sind ebenfalls nicht vorhanden. Der einzige Lichtblick ist der Kiosk auf der anderen Seite der Hafenstraße. Aber wem hilft das, wenn die Blase drückt?

Auch bei der Stadt ist bekannt, dass sich der Busbahnhof nicht für das Stadtmarketing eignet. “Es ist ein Provisorium. Punkt.” Michael Milde vom Stadtplanungsamt nimmt bei dem Thema kein Blatt vor den Mund.Und das Thema ist nicht einfach: 2013 wurde der Fernbusverkehr liberalisiert und es war seinerzeit in keinster Weise absehbar, wie sich der Markt entwickeln würde. Und als das Geschäft brummte, musste der Gummibahnhof hinter dem Hauptbahnhof wegen der Bauarbeiten verschwinden.

Also machten sich die Planer auf die Suche nach einer Alternative, die anders als in Köln nicht vor den Toren der Stadt, sondern in Bahnhofsnähe liegen sollte. Zugleich wollten sie die Bremer Straße entlasten: Hier gabe es nicht nur Probleme mit dem Begegnungsverkehr, die Doppelstöcker können die Bahnbrücken außerdem nicht passieren. Am Ende fiel die Wahl auf das Areal an der Ecke zwischen der kleinen Friedrich-Ebert- und der Hafenstraße, die bereits als Pausenplatz für die Stadt- und Regionalbusse genutzt wird. Hier sind fünf Haltepunkte für die Fernbusse vorgesehen – und das reicht laut Milde auch vollkommen aus.

Busbahnhof bei Unternehmen beliebt

Die Zahl der nationalen Fahrten hat seit 2015 von 486 auf 209 (Stand: Ende 2017) abgenommen, nachdem sich der Markt zuletzt konsolidiert hat. Für den internationalen Verkehr sind rund 500 Fahrten pro Woche konzessioniert. Sie werden aber nur zu rund einem Viertel durchgeführt – macht in der Summe knapp 50 Busse, die Münster im Durchschnitt täglich anfahren.

Während die Busse rollen, hapert es an einigen anderen Stellen. “Wir müssen etwas tun”, ist  sich Milde bewusst. Toiletten seien ein zentrales Thema, hier soll eine bewirtschaftete Lösung rund um die Uhr bereitstehen. Der Versuch mit dem Klo-Container, für den die Stadt 15.000 Euro in die Hand nahm, scheiterte. Der Vandalismus – offenkundig auch durch andernorts verdrängte Drogenkonsumenten – war so stark, dass sich die Mitarbeiter der beauftragten Reinigungsfirma weigerten, ihrer Arbeit nachzugehen.

“Wir haben uns bemüht, ein Stück weit Infrastruktur aufzubauen, aber das konnten wir nicht aufrecht erhalten”, zuckt Milde mit den Achseln. Wann das Problem gelöst werden kann? Derzeit nicht absehbar. Fest steht allerdings, dass es sich auch in diesem Fall zunächst um ein Provisorium handeln wird. An eine bauliche Lösung, etwa in Kombination mit einem Kiosk,  ist derzeit nicht zu denken: “Eine städtebauliche Überprüfung des Areals steht an, da sind wir noch nicht soweit.”

Zeitplan offen

Der Stadt gehört das Huk-Haus an der Ecke Friedrich-Ebert-/Dammstraße sowie die beiden danebenliegenden Immobilien. Hier soll eine Aufwertung stattfinden – nur was und wie, ist noch offen. Bis hier keine Grundsatzentscheidung gefallen ist, wird es auch für den Busbahnhof schwierig.

Bis dahin bleibt nur die Politik der kleinen Schritte. Eine Lösung für das Toilettenproblem soll kommen, eine elektronische Fahrgastanzeige wird auf Wunsch und mit Beteiligung der Unternehmen installiert werden. Auch beim Witterungsschutz strebt die Verwaltung Verbesserungen an und greift mitunter zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Nachdem sich die Trinkerszene in den Wartehäuschen einquartiert hatte, ließ das Amt die Sitzbänke entfernen.


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Ein Kommentar

  1. Also ich finde es schade das der Busbahnhof mitten im Wohnquartier Süd/Ost liegt. Es gibt einige besser geeignete Plätze, entweder kurz vor den Toren der Stadt, oder an Stellen wo es bessere Infrastruktur gibt und eine geeignetere Verkehrsanbindung.

    Zudem kann ich als Anwohner berichten, das die Feinstaubbelastung gerade im Dreieck, Autoverkehr, Bahnverkehr und nun auch noch Fernbusverkehr extrem ist. Der schwarze Staub legt sich verfolgbar auf allem nieder was an die “frische” Luft kommt! Dadurch entstehen horrende Kosten…. ähnlich wie beim rauchen in Räumlichkeiten!

    Fernbusse sind besser an der direktesten Autobahnverbindung positioniert, und es gibt zb durch die neuen E-Busse der Stadtwerke die Möglichkeit, die Ankommenden per Shuttleservice in die Innenstadt/an den Bahnhof und zurück zum Gummibahnhof zu bringen. Dies würde sowohl den Verkehr im Kernbereich der Stadt verringern und die Belastung in der grünen Umweltzone senken. Diese wäre ebenfalls erweiterbar wenn der Fernbusreiseverkehr aus dem Zentrum auszieht!

    Auf der anderen Seite…. was bietet sich den Neuankömmlingen in unser geliebten, grünen und lebenswertesetn Stadt für ein Anblick, wenn sie das erste Mal auf dem hiesigen Gummibahnhof austeigen, der keiner ist? So war es in den 1970’/1980′ Jahren schon und ist es nicht weit davon entfernt nun wieder! Wieso werden Verkehrspolitische Fehler wiederholt? Liebe Lokalpolitiker, denkt bitte daran das der erste Eindruck prägend ist!!!!

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