Münster

Die Angst geht um in der Aaseestadt

Die W+S plant an der Mierendorffstraße in der Aaseestadt eine Nachverdichtung.

Aufruhr in der Aaseestadt: Die städtische Wohn + Stadtbau will ein generationengerechtes Quartier erschaffen – und schließt Abrisse nicht aus. Jetzt regt sich Widerstand unter den Mietern, die um ihre Wohnungen fürchten.

Idyllisch, viel Grün, in bester Lage: Keine Frage, die Aaseestadt ist etwas Besonderes. Wer möchte hier nicht den Lebensabend verbringen? Doch mit der Ruhe in der Aaseestadt ist es derzeit vorbei. Es ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wohn + Stadtbau, die die Menschen zwischen Bonhoefferstraße und Koldering auf die Palme bringt. Das Unternehmen hat einen Architektenwettbewerb ausgelobt, um Vorschläge für eine altersgerechte Gestaltung des Quartiers zu sammeln – alles ganz ergebnisoffen. Diese Ideen können explizit auch eine Nachverdichtung und den Abriss bestehender Bausubstanz enthalten.

“Wir fürchten, die haben Schlimmes vor”, sagte eine Anwohnerin kürzlich auf einer Versammlung der Bürgerinitiative, die die Pläne der W+S verhindern will. “Denen geht es nur um Profit”, lautet der Vorwurf. Nachverdichtung, Teilabriss, die Begriffe sind gesetzt und sie erzeugen vor allem eins: Angst. Viele Anwohner befinden sich im fortgeschrittenen Alter, manche sind Mieter der ersten Stunde. Sie fürchten nun, dass sie ihre alten Tage eben nicht in ihrer mitunter seit Jahrzehnten vertrauten Umgebung, in der Aaseestadt verleben können.

“Die W+S will Teile des Bestands abreißen und dann nachverdichten”, sagt Lothar Bertels von der Bürgerinitiative. Deren Forderung: Eigentlich soll alles so bleiben wie es ist. “Wir haben hier eine hohe Lebensqualität und deswegen fühlen sich die Menschen hier wohl. Wir wollen die hier bestehenden Strukturen beibehalten.” Um dies zu unterstreichen, haben die Anwohner nach eigenen Angaben 500 Unterschriften gesammelt und in der letzten Woche an Oberbürgermeister Markus Lewe übergeben.

W+S-Geschäftsfüher Christian Jaeger, erst seit Oktober im Amt, versucht die Schärfe aus der aufkeimenden Debatte zu nehmen. “Wir haben Verständnis für die Beunruhigung der Mieter und werden verantwortungsvoll agieren.” Das Unternehmen hole zunächst Ideen ein, der städtebauliche Wettbewerb an sich verpflichte zu nichts. Nur: “Es muss etwas passieren.”

Die Wohn + Stadtbau hat zunächst ein aus drei Häuserblöcken bestehendes Areal an der Mierendorffstraße ins Auge gefasst (siehe Karte). Im Rahmen eines Audits wurde erforscht, wo der Schuh drückt. So sind die 1962 errichteten Häuser nicht barrierefrei, die Wohnungen mit teils mehr als 100 Quadratmetern Größe für Paare und Alleinstehende großzügig dimensioniert. Auf der anderen Seite stehen auf dem Wunschzettel der W+S eine Kita, Gemeinschaftsräume, Orte der Begegnung, Platz für Pflegedienste. Ein “generationengerechtes Quartier” soll entstehen.

Nicht zuletzt dürfte eine nicht ganz unerhebliche Verdichtung anstehen – dort, wo jetzt noch großzügig bemessene Grünflächen die Häuserblöcke mit insgesamt 63 Wohnungen umsäumen. “Nach unseren Schätzungen müssten 90 Wohneinheiten mehr auf die Fläche passen”, sagt Jaeger. “Wir müssen jedoch gucken, wie das geht.” Und wer einen Blick auf die Karte wirft, erkennt schnell, dass dies nicht nur mit kleinem Besteck zu machen sein wird. Jaeger spricht von einer “Synthese aus Eingriffstiefe und funktionalen Aufwertungen”, die die Architekten finden müssten. “Einen Teilabriss halte ich für wahrscheinlich.” In der offiziellen Sprachregelung heißt das dann “nicht ausgeschlossen”.

Frühestens ab 2023 rollen die Bagger in der Aaseestadt

Genau diese Aussicht ist es, die den Anwohnern in der Aaseestadt den Puls in die Höhe treibt. “Es gibt keine Mängel, die den Eingriff legitimieren”, erklärt Bertels. Allenfalls kleine Maßnahmen seien in Abstimmung mit den Mietern denkbar. Die Bürgerinitiative hofft nun, dass der Planungsausschuss sich in ihrem Sinne mit dem Thema befassen wird. Nicht zuletzt müssten etwaige Pläne zur Umgestaltung vorab mit einem Bebauungsplan untermauert werden – und dagegen können Rechtsmittel eingelegt werden, wie derzeit beim Hafencenter zu sehen ist.

Die W+S signalisiert hingegen Hilfsbereitschaft, sollten im Rahmen der anstehenden Maßnahmen beispielsweise Umzüge notwendig werden. So soll ein in der Nachbarschaft befindlicher Garagenhof überbaut werden. Dann stehen spätestens ab 2021 16 zusätzliche Wohnungen zur Verfügung. Ohnehin: Vor 2023 passiert an der Mierendorffstraße nichts. Und am 21. August werden zuächst die Gewinner des Gestaltungswettbewerbs prämiert.


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