Münster

Aaseestadt: Ein Quartier wird auf den Kopf gestellt

So soll das Quartier an der Mierendorffstraße in der Aaseestadt künftig aussehen. (Grafik LK Architekten/Wohn+Stadtvau)

So soll das Quartier an der Mierendorffstraße in der Aaseestadt künftig aussehen. Norden ist in dieser Darstellung rechts. (Grafik: LK Architekten/Wohn+Stadtbau)

Das bange Warten in der Aaseestadt hat ein Ende: Am Freitag hat die Wohn+Stadtbau ihre Pläne für den Umbau des Quartiers an der Mierendorffstraße vorgestellt. Sie sehen unter anderem den Abriss mehrerer Gebäude vor. Die Anwohner sind damit nicht einverstanden.

Große Änderungen werfen in der Aaseestadt ihre Schatten voraus. Seit Freitag sind diese etwas deutlicher konturiert, denn die Wohn+Stadtbau hat den Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs für das Areal an der Mierendorffstraße präsentiert. “Das Quartier wird ein anderes sein”, gibt Christian Jaeger, Geschäftsführer des städtischen Wohnungsbauunternehmens, unumwunden zu. “Wir wollen mehr und bessere Wohnungen haben in der Aaseestadt”, ist die Marschroute in dem Viertel, dessen Bausubstanz zu großen Teilen aus den 60er Jahren stammt.

Der Siegerentwurf von LK Architekten aus Köln sieht tiefgreifende Einschnitte in dem Bereich vor. Gleichwohl erscheinen sie moderat im Vergleich mit einigen anderen der insgesamt neun Wettbewerbsbeiträge. Statt einem vorgeschlagenen Totalabriss aller Gebäude sollen lediglich vier Mehrfamilienhäuser, davon drei im Besitz der Wohn+Stadtbau, auf der Westseite der Abrissbirne zum Opfer fallen. Diese werden dann durch zwei- bis fünfgeschossige Gebäude ersetzt werden. In der Mitte des Quartiers ist eine Verdichtung mit zweigeschossigen Häusern angedacht.

“Wir wollen eine maßvolle Nachverdichtung bei einem größtmöglichen Erhalt der Bestandsgebäude”, erklärt Architekt Christoph Wieczorek. Das sei ein “wichtiges Kriterium” gewesen, ergänzt Jaeger. Unter dem Strich sollen rund 125 zusätzliche Wohneinheiten entstehen. Die Umsetzung werde stufenweise ab 2023 beginnen.

Den Anfang machen die Häuser im Herzen des Quartiers, die zwischen die bestehenden Riegel gepflanzt werden. Diese könnten dann von den Bewohnern der abzureißenden Häuser im Westen bezogen werden. Der Plan ist klar: Niemand muss fürchten, irgendwann auf der Straße zu stehen. Eine erste Alternative werden die 16 Wohneinheiten bieten, die bald auf einem alten Garagenhof um die Ecke an der Bonhoefferstraße entstehen.

Widerstand in der Aaseestadt

Die Brisanz der Planung ist auch den Anwesenden am Freitag in der Zentrale der Wohn+Stadtbau bekannt. Eine Bürgerinitiative hat sich unlängst formiert. Sie möchte am liebsten gar keine Eingriffe im Bestand und ist nach eigenem Bekunden gewillt, auch juristische Mittel zu ergreifen. Auch die Ablehnung des jetzt vorgestellten Konzeptes haben die Vertreter der Anwohner im Protokoll der Jurysitzung vermerken lassen.

“Nach der Veröffentlichung des preisgekrönten Entwurfs waren die Aufregung und das Entsetzen der Bewohner der Aaseestadt groß”, erklärt Raphaela Endres von der Bürgerinitiative am Samstagmorgen. Der Abriss der drei Häuserblocks, die “extreme Nachverdichtung” im mittleren Teil und “die Vernichtung” von mehr als der Hälfte des Baumbestandes habe die Bewohner schockiert. “Wir kämpfen für den Erhalt aller Häuser, wir wollen die Struktur des Gebietes erhalten und sind – wenn unbedingt nötig – für eine angemessene Nachverdichtung.”

“Wir wollen den Konsens mit den Bewohnern”, beteuert Stadtbaurat Robin Denstorff. “Nicht alle werden sagen, dass sie das gut finden.” Politik und Wohn+Stadtbau wollen nun auf die Menschen zugehen und sie von den “neuen Qualitäten” des Quartiers überzeugen. Erste Gelegenheit dazu ist eine anstehende, aber noch nicht terminierte Mieterversammlung.

Anm.: Der Text wurde am Samstagmorgen um die Stellungnahme von Frau Endres ergänzt. Am Freitagnachmittag/-abend war kein Vertreter der Bürgerinitiative zu erreichen gewesen.


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