Münster

Aasee-Anwohner haben den Kanal voll

Der Aasee lädt bei Sonnenschein zum Müßiggang ein. (Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser)

Der Aasee lädt bei Sonnenschein zum Müßiggang ein. (Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser)

Lärm, Wildpinkler, Müll – und das alles bevorzugt in lauen Frühsommernächten: Viele Anwohner beklagen die Situation am Aasee. Nur Lösungen haben auch sie nicht.

Der Aasee, das ist Kulturlandschaft in Innenstadtnähe, Lebensqualität pur. Sollte man meinen. Doch die Idylle wird getrübt. Viele Anwohner beklagen grillende Gäste an den nördlichen Ufern des Gewässers, die bis spät in die Nacht laute Musik laufen lassen und obendrein ihre Notdurft verrichten.

“Wir klagen hier auf sehr hohem Niveau”, sagt Wolfgang Westermann. “Aber mit Berechtigung!” Der Zahnmediziner wohnt an der Annette-Alle und hat mit seinem Nachbarn Peter Vogt in die Gaststätte Himmelreich geladen. Über 50 meist ältere Anwohner sind am Donnerstagabend gekommen, um über die Situation am Aasee zu sprechen.

Die meisten von ihnen eint der Ärger über manche Gäste an den Ufern des Sees, wo sich die Situation besonders in den letzten beiden Jahren verschlechtert habe. „Ich will nur schlafen können!“, fordert Westermann, dem die nächtliche Geräuschkulisse den Schlaf raubt.

Zum Beweis zeigt er Videoaufnahmen seiner nächtlichen Exkursionen vor die Haustür. Jugendliche grillen, rauchen Shisha, hören laute Musik mit nicht ganz jugendfreien Texten, konsumieren Alkohol. Dem filmenden Westermann begegnen sie, wie dieser moniert, nicht gerade mit Respekt.

Aasee-Gastronom kapituliert

Aufruhr im mehrheitlich gutsituierten Publikum, die ihr Schicksal mit Anwohnern am Kanal oder am Südpark teilen. Schnell sind die Hauptprobleme benannt. Eines davon ist die Wildpinkelei. Mitunter wird von nächtlichen Besuchern an der Haustür berichtet, die um die Nutzung der Toilette bitten. Der Wirt des Himmelreich hat “schweren Herzens” am 01. Mai geschlossen, um den Ansturm der Notdürftigen zu entgehen. Die öffentlichen Toiletten reichen ihrer Ansicht nach nicht aus. Andere führen das Grillen und die dadurch entstehende Geruchsbelästigung an, auch der Müll macht den Aasee-Anwohnern zu schaffen.

Die bereits von der Stadt vorgenommenen Maßnahmen fruchten in ihren Augen nur bedingt. So verweist die Verwaltung darauf, dass der Müll in kurzen Intervallen schon früh morgens beseitigt werde – das Problem hier sei nicht die zu geringe Kapazität der Tonnen, sondern deren ausbaufähige Nutzung. Zusätzliche Servicekräfte sollen die Aasee-Gäste zu Anstand anhalten. “Auf eingehende Beschwerden insbesondere bezüglich des Themas Lärm reagiert das Ordnungsamt im Rahmen der personellen Möglichkeiten”, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Nicht zuletzt prüfe das Ordnungsamt ein Shisha-Verbot.

Eine Lösung haben die Anlieger am Donnerstagabend nicht parat. Als Vorbild wird der Rheinboulevard in Köln angeführt. Hier sind Shisharauchen, Grillen und laute Musik verboten – ein Konzept, das angeblich fruchtet. Aber auch eine Lösung für den Aasee? Ein solches Verbot müsste letztlich auch durchgesetzt werden. Nur: Bei der Durchsetzung von Verboten sehen die Anlieger schon jetzt erhebliche Defizite.


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  1. Wenn man Shishas oder Grillen verbieten möchte, braucht man dazu wohl eine sinnvolle Begründung. Die Lärmbelästigung ist ja das eigentliche Problem – und eher ein Grund dafür, das Ordnungsamt oder die Polizei personell vernünftig auszustatten. Um ein Shishaverbot durchzusetzen, müsste man das ja ebenfalls tun.

  2. Die Situation mit den sanitären Anlagen ist ja schon lange ein Problem – unbegreiflich für mich, dass da immer noch nicht gehandelt wurde. Die “Servicekräfte” sind einfach nur ein schlechter Witz einer handlungsunfähigen Politik.

    Wenn ich lese, dass Bewohner in Ihrem Spießbürgertum mit Videokameras ausrücken, muss ich laut Lachen. Immerhin ist es ein öffentlicher Freizeitbereich und Lärmbelästigung ist ausreichend mit unseren Gesetzten geschützt. Vielleicht sollte die Polizei, statt Studenten ohne Katzenaugen auf dem Fahrrad abzuziehen, dort mal öfter guten Tag sagen und auf Nachruhe hinweisen. Alles mit Gesetzten zuwerfen ist doch Unsinn.

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